Kolumbus hatte Glück, als ihm die Jamaikaner den Gehorsam verweigerten. Denn sein Almanach kündigte für den 29. Februar 1504 eine totale Mondfinsternis an. Kolumbus witterte die Chance. "Ein solches Schauspiel versetzt die Menschen in Europa seit vielen Jahrhunderten in Angst und Schrecken - es muss auch hier in Indien´ Wirkung zeigen!"

Also verkündet Kolumbus den Dorfältesten: Gott sei ob ihres Ungehorsams verärgert und werde daher den Mond in Glut versetzen. Und als sich diese Prophezeiung am Abend tatsächlich erfüllt, "sind die Jamaikaner entsetzt, und flehen Kolumbus an, die göttlichen Strafen abzuwenden".

Der so präzisen Prognose über den Lauf des Erdtrabanten stand in jener Zeit aber ein nur höchst mangelhaftes Wissen über den Umfang der Erde gegenüber (wiewohl schon in der Antike recht gute Annäherungswerte vorhanden waren). Kolumbus jedoch stützte sich auf Berechnungen, die den Erdumfang als viel zu gering angaben - so dass Indien für ihn viel näher bei Spanien lag, als es tatsächlich der Fall ist. "Gäbe es Amerika nicht", dann wäre Kolumbus also "1492 ins schiere Nichts gesegelt".

Diese beiden Geschichte über Kolumbus erzählt Christian Pinter in seinem erhellenden Buch "Helden des Himmels". Und die Gegenüberstellung, dass Kolumbus einerseits von einer unpräzisen Information zum Ruhm geleitet wird, während ihm andererseits präzises Wissen den Kragen rettet, erinnert eindrücklich an den denkwürdigen Umstand, der die Wissenschaft heute noch kennzeichnet: Der Anteil dessen, was wir von der Natur wissen, ist immer noch weit geringer als das, was wir von ihr noch nicht wissen. Zwar hat die Quantität des Wissens mit atemberaubender Geschwindigkeit zugenommen, seit Galilei vor 400 Jahren den Himmel erstmals durch ein Fernrohr betrachtet und mit der Ausmessung des Kosmos begonnen hat: Damals waren nur ein paar tausend Sterne sichtbar, heute sind es Milliarden von Galaxien, die selbst wiederum aus Milliarden von Sternen bestehen.

Die Qualität des Wissens hat sich jedoch nicht grundlegend geändert. Auch heute ist es wohl nur ein vorläufiges, kein endgültiges Wissen, das wir über den Kosmos und seinen Ursprung besitzen. Die Bewegungen aller nun sichtbaren Himmelskörper lassen sich jedenfalls mit den heute geltenden Naturgesetzen ebenso wenig restlos erklären, wie einst der Lauf der Planeten. Früher wurde das geozentrische Weltbild mit der Theorie der Epizyklen gestützt, welche die Abweichung der Planetenbahnen von den Berechnungen plausibel machen sollte. Heute ist es die geheimnisvolle "Dunkle Materie", die erklären soll, warum die Geschwindigkeit der Sterne am Rande von Galaxien so rätselhaft hoch ist. Laut herrschender Theorie macht diese vier Fünftel der Masse des Universums aus -und das ist wahrlich nicht wenig.