All diese Fragen beantwortet die erste umfassende Militärgeschichte Wiens "Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt. Von den Römischen Legionen bis zum Österreichischen Bundesheer" erschienen im Weishaupt Verlag.

Der Verfasser des Werkes Brigadier a.D. Rolf M. Urrisk-Obertynski ist ein ausgewiesener Kenner des österreichischen Militärs. In dreieinhalbjähriger Forschungsarbeit hat er alles gesammelt, was sich unter dem Begriff "Militär in Wien" zusammenfassen lässt. Noch nie zuvor gab es eine derartige Materialiensammlung in der österreichischen Militärgeschichte. Dies ist auch der Grund, warum niemand geringerer als Otto von Habsburg das Geleitwort zu diesem Forschungsergebnis verfasst hat.

Es gibt kein Problem aus dem Bereich Militär, das unerwähnt bleibt. So erfahren wir, dass Maria Theresia die Herstellung falscher Landkarten in Auftrag gegeben hat, um die Angreifer Wiens zum Beispiel über die Höhe der Festungsmauer zu täuschen. Auch der Bau der Ringstraße hatte vor allem militärische Gründe, die Wiener Stadtbahn wurde errichtet, um die Truppen in der Hauptstadt besser verlegen zu können. Die Kasernenbauten über Jahre und Jahrhunderte erfolgten nach einem umfassenden Konzept, um etwaige Unruhen jederzeit unter Kontrolle zu halten.

Fremde Truppen in Wien

Urrisk beschreibt sehr ausführlich die Entstehung der Hausnummern, die ja einen militärischen Hintergrund hatte, wie auch die Stationierung aller ausländischen Truppen auf dem Gebiet der heutigen Bundeshauptstadt.

Die ganze militärische Geschichte Wiens liegt jetzt vor und umfasst zwei Bände. Keine Frage bleibt unbeantwortet. Haben sie zum Beispiel gewusst, welche Marineelemente im Rahmen der Volkswehrbataillone (1918-1920) in Wien stationiert waren?

Urrisk beschreibt auch sehr ausführlich die Besatzungszeit und geht hier jedem kleinsten Detail nach. So erfahren wir, dass etwa in der Zeit von 1945 bis 1955 die Russen in Wien 3292 Wohnungen beschlagnahmt haben, aber nur neun Villen. Die US Truppen bevorzugten hingegen bessere Wohnmöglichkeiten und beschlagnahmten in der Bundeshauptstadt 148 Villen, aber nur 750 Wohnungen. Das Hauptquartier der Alliierten Militärpolizei (also der sogenannten Vier im Jeep) befand sich in der Wiener Stiftskaserne im 7. Bezirk.

Hunderte, ja tausende Details erfährt man in diesem grandiosen Werk. Auffällig ist die prächtige Ausgestaltung des zweibändigen Werkes mit unglaublich vielen Illustrationen, bisher unbekannten Fotos und detailgetreuem Kartenmaterial.

Dem Grazer Weishaupt Verlag, in dem Rolf Urrisk schon weit mehr als zehn militärische Bücher herausgebracht hat (wie Garde, Panzerwaffe, Motorisierung etc.), müsste der Verteidigungsminister danken für diese Leistung im Interesse der geistigen Landesverteidigung - was natürlich nicht geschehen ist.

Weitere Bände geplant

Der Autor gibt sich aber mit diesem Werk nicht zufrieden. In der Zwischenzeit hat er jedes Objekt der Bundeshauptstadt, das in direktem und indirektem Sinne mit dem Militär in Verbindung gebracht werden kann in seinem Archiv erfasst und zur Veröffentlichung vorbereitet. Daraus sollen weitere drei Bände (!) bis 2012 erscheinen, also die komplette Militärgeschichte Wiens vorliegen. Ein wirkliches Großvorhaben. Die vorliegenden ersten zwei Bände sind ein Muss für alle Viennensien-Freunde, kulturhistorisch Interessierte, Militärfreaks und Freunde des österreichischen Bundesheeres.

Zusammenfassend: ein großartig recherchiertes Werk, verlegerisch glanzvoll aufbereitet und von einem Detailüberblick, wie es ihn bisher nicht gab.

Rolf M. Urrisk-Obertynski: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt. Von den Römischen Legionen bis zum Österreichischen Bundesheer. Weishaupt Verlag, Zwei Bände, 336 und 264 Seiten, 58 und 49,90 Euro.