Alexander Peer. - © Foto:Limbus Verlag
Alexander Peer. - © Foto:Limbus Verlag

"Im Grunde lebte Cortés sein Leben lang begrenzt . . . Wohin er später auch kam - ob Salamanca, Sevilla oder Cuba -, die Orte waren nur unterschiedliche Zellen eines Gefängnisses, begrenzte Orte einer begrenzenden Welt." Der gebürtige Salzburger Alexander Peer betreibt die Engführung eines Entdeckerlebens, das von Dutzenden Biographen nachgezeichnet wurde: Hernán Cortés hatte mit der Eroberung Mexicos den Grundstein zum spanischen Kolonialreich gelegt.

Alexander Peer hat Cortés’ Lebenslauf eingehend studiert und daraus ein spannendes Psychogramm erstellt. "Land unter ihnen" lautet sein Titel. Der Autor hat sich für das Genre Novelle entschieden, also jene literarische Gattung, die Goethe über das "seltsame, unerhörte Ereignis" definierte. Und tatsächlich können Cortés’ Eroberungsfeldzüge in Mittelamerika als ein einziger, unerhörter Akt betrachtet werden, als ein Wendepunkt der Weltgeschichte: Der Kolonialismus war der erste Akt der "Globalisierung". In der Lesart Alexander Peers heißt dies: "Cortés’ Eroberungen wurden zu Jahreszeiten. Die Jahreszeiten fügten sich zu einer Ära zusammen, an deren Ende ein ausgemergelter Korps von verdrießlichen spanischen Soldaten und ein erbärmlicher Rest einer blühenden Kultur standen".

Die historische Wahrheit ist eben kein "Fundstück im Staub der Vergangenheit", verdeutlicht der Historiker Karl Vocelka in seinem Nachwort: Auch die Geschichtsschreibung biete nur eine "Narration der Vergangenheit" an, habe also klare Berührungspunkte mit der Literatur. Insbesondere die autobiographischen Entdecker-Texte des 16. Jahrhunderts würden heute als "Ego-Dokumente der Zeit" eingestuft. In hohem Maße subjektiv und von Eigeninteresse gefärbt sind auch die Briefberichte des Herrn Cortés an seinen König Carols I (Karl V.) über die Eroberung "Neuspaniens" oder die einschlägigen "Historien" von Zeitgenossen des Konquistadoren. Aber es sollte noch Jahrhunderte dauern, bis Spanien seine Siegerperspektive auf den Kolonialismus relativiert.

Alexander Peer erschließt den "anderen Blickwinkel" auf die spanische Expansion über eine Kunstfigur, den Soldaten Vasquez. Hier also der Parade-Kolonisator Cortés, Sohn aus niedrigem kastilischen Adel, getrieben vom Ehrgeiz, Standes- und Vaterkomplex; dort sein Gefolgsmann Vasquez, der Bauer aus den Pyrenäen, den die Propaganda vom "besseren Leben" in die Armee lockt.