Dabei ist die Todesstrafe so alt wie die Menschheit und findet sich schon im Alten Testament. So wie der Pranger galten Hinrichtungen in Zeiten lange vor Erfindung der Television als öffentliche Lustbarkeit und wurden entsprechend zelebriert. In Wien etwa wurden Verbrecher bis ins späte 19. Jahrhundert bei der "Spinnerin am Kreuz" öffentlich gehängt.

Danach wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Mit Ende der Monarchie kam 1919 auch das Aus für die Hinrichtungen - doch nicht für lange: 1933 führte Kanzler Engelbert Dollfuß die Todesstrafe wieder ein; sie erlebte nach den Unruhen im Februar 1934 mit der Hinrichtung von acht sozialdemokratischen Aufrührern einen traurigen Höhepunkt.

Auch jene nationalsozialistischen Attentäter, die Dollfuß wenig später erschossen, wurden hingerichtet. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg tat sich die junge Republik schwer, die Todesstrafe aufzugeben: Zwar schaffte man sie per Verfassung ab, genehmigte sie aber per Ausnahmeregelung wieder; parallel töteten die alliierten Besatzer unabhängig davon Gefangene ohne Gerichtsverfahren bis 1955. Der letzte gerichtlich verurteilte Mörder starb in Wien 1950.

Der Beruf des Henkers war bis 1919 in Österreich erblich und galt als ehrbar. Danach profanisierte sich das Gewerbe: So brüstete sich US-Sergeant John C. Woods stolz, 1946 in Nürnberg "zehn Nazis in 103 Minuten" aufgehängt zu haben. Er hatte sich für den Job mit Nachdruck beworben. Insgesamt kamen auf das Konto des Texaners 347 Hingerichtete in 15 Jahren. Er selbst starb 1950 - beim Ausprobieren eines neuen elektrischen Stuhles.

Lebendig geröstet

Den ersten dieser Art bestellte sich übrigens der abessinische Kaiser Melink II. nach einer Demonstration 1890 direkt beim Erfinder. Nach Lieferung stellte sich heraus, dass das wichtigste in Abessinien noch fehlte: der Strom. Somit verwendete der Herrscher den Stuhl fortan als Thron.

Und er tat gut daran: Die erste öffentlich Hinrichtung per Stuhl am 6. August 1890 in New York endete mit einer Katastrophe: Der Delinquent wurde vor Publikum lebendig geröstet.

Das einprägsamste Symbol der "Wiege aller europäischen Demokratien", der Französischen Revolution, sollte ein Köpf-Apparat, die Guillotine, werden. Das öffentliche Köpfeabhacken in Paris soll zwischen 1789 und 1794 dermaßen überhand genommen haben, dass man stellenweise in Blut watete. Rund 100.000 Opfer soll die Revolution insgesamt gefordert haben.

Mit 230 gerichtlich angeordneten Tötungen seit 1987 (durch Giftspritze oder Gas) hält Huntsville im US-Bundesstaat Texas in der westlichen Hemisphäre einen Rekord. Weltführer im Hinrichten ist derzeit laut Haidinger des Westens liebster Spielzeughersteller, die Volksrepublik China: Dort sollen pro Jahr rund 10.000 Verurteilte im Namen des Rechts fallen.

Schaurig.

Haidinger, Martin: Von der Guillotine zur Giftspritze. Ecowin Verlag, 222 Seiten, 19,95 Euro.