Ronald Pohl, Jahrgang 1965, bietet in "sudelküche seelenruh" einen gleichnamigen Theatertext und zwei ihn umrahmende Erzählungen ("liederlicher gesang eines mordbuben" und "kleines leitknäuel für überspannte") auf. Es handelt sich um Sprachveranstaltungen in einer austriakischen Tradition, die mit Witz und Formulierungsgeschick und einer Ästhetik des Aufbrechens der realen Gegebenheiten zugunsten eines Verbaltaumels Lesevergnügen bereitet.

Ohne Anlehnungs- oder Umarmungs-Tendenzen erinnert Ronald Pohl an das Artistische mancher H.C. Artmann-Texte - Zeitkritik und das Aufzeigen zeitloser Schäbigkeit werden kunstvoll-spielerisch und nicht mit dem strengen, Zeigefinger vorgeführt. Als erfreuliches Faktum könnte man auch betrachten, dass die Franzobel-Generation trotz dessen überwältigender medialen Präsenz nicht ausschließlich durch einen einzigen Autor personifiziert wird, sondern dass ein sprachbewusster Könner vom Format eines Ronald Pohl das Vorhandensein eines mehreren Autoren gemeinsamen Schreibgefühls demonstriert. Ein Zitat aus dem Einleitungstext soll die sprachliche Machart verdeutlichen:

"an semmering nahe dem tutzinger haus, oberhalb jenes kogels, der die erdkruste in spreu und weitsicht trennt, fuhr jarolim mit seinen elegant aufgebogenen skiern bis hart an den rand des schistalls. der schnee, nicht faul, öffnete jedem, der ihn befahren wollte, bereitwillig seine haxen ... "

Ronald Pohl: sudelküche seelenruh. Droschl, Graz/Wien 2004, 107 Seiten.