Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Gusen bei Mauthausen. Foto: apa/Schneider
Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Gusen bei Mauthausen. Foto: apa/Schneider

Kurz vor seinem Tod im Juni 1991 gab er ein Interview für einen Dokumentarfilm, in dem deutlich wurde, dass sein Verhältnis zum Nationalsozialismus ungebrochen war. Er sei "mit Freuden dabei gewesen", bekannte der Mediziner, der nach seiner aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Haftentlassung im Jahr 1954 eine schöne Karriere gemacht hatte. Auch seinen Antisemitismus hatte er nicht abgelegt. "Die Juden mög´ ma halt net. Und er ist ja auch ein Fremdkörper. In jeder Nation", bekannte Ramsauer noch 1990.

Die Historiker Lisa Rettl und Peter Pirker haben anhand weit verstreuter Quellen den Lebenslauf des KZ-Arztes Ramsauer rekonstruiert. Im Klagenfurter Prozess von 1947 war seine Karriere seit dem Anschluss ja nur sehr bruchstückhaft zutage getreten.

Nach einem ziemlich verbummelten Studium in Innsbruck und Wien, wo er in den Februartagen 1938 bei einer Schlägerei mit der Polizei verletzt wurde - später wollte er dafür den Blutorden bekommen -, beendete Ramsauer, der schon Mitte der Dreißigerjahre der illegalen SS angehört hatte, sein Studium in überraschend kurzer Zeit und heiratete vor seiner Einberufung die Tochter eines bekannten Architekten.

Nach Einsätzen in Polen und Weißrussland, wo seine Einheit in Massenerschießungen involviert war - er selbst hielt sich über diese Zeit später äußerst bedeckt -, wurde Ramsauer aus disziplinären Gründen im November 1941 aus der SS-Kavallerie abgezogen und zum KZ-Dienst versetzt. Er hatte nach einem Streit um ein getürktes Kartenspiel sein Gegenüber zum Duell gefordert, was den SS-Regeln widersprach. Nachweisbar sind Einsätze in den Konzentrationslagern Oranienburg, Gusen, Dachau, Neuengamme, Mauthausen und schließlich im Mauthausen-Außenlager am Loiblpass.

Beachtliche Karriere

Nach Ramsauers Freilassung - für die er eine jahrelange Kampagne führte, bei der ihm unter anderem seine Schulfreunde Josef Klaus und Ferdinand Graf, zwei prominente ÖVP-Politiker, behilflich waren, gab es immer wieder Zeugenaussagen, dass er in mehreren dieser Lager in Verbrechen involviert war. Er konnte sich aber weiteren Ermittlungen entziehen und mit Hilfe eines engen Netzwerkes in Kärnten eine beachtliche Karriere machen, bis zum Chefarzt am Landeskrankenhaus Klagenfurt. Nur der Versuch, seine Verurteilung aus dem Strafregister tilgen zu lassen, misslang.

Von seiner ersten Frau, mit der er die Töchter Sigrid und Heide hatte, geschieden, ging Ramsauer eine zweite Ehe mit der Tochter eines ungarischen Nazis ein und wurde noch einmal Vater zweier Töchter, die er, passend zu seiner politischen Einstellung, Sigrun und Heidrun nannte.

Lisa Rettl, Peter Pirker: Ich war mit Freuden dabei. Der KZ-Arzt Sigbert Ramsauer. Milena-Verlag, 349 Seiten, 23 Euro.