Eine Retrospektive "25 Jahre österreichische Innenpolitik" der anderen Art haben die Journalisten Kurt Tozzer und Günther Kallinger zusammengestellt. In "Todesfalle Politik" legen sie Fälle von

vermeintlich politisch motivierten Morden, Selbstmorden und Terroranschlägen in Österreich seit den 70er Jahren dar. So war der "öffentlich zelebrierte" Selbstmord des Kontrollbank-Direktors Gerhard

Praschak im April 1997 Auslöser dafür, ein Buch über die Lebensgefahr Politik zu schreiben. Präsentiert wurde es gestern im geschichtsträchtigen Büro des Udo Proksch in der Wiener Nobelkonditorei

Demel. Die Fälle Lucona und Noricum mitsamt den politischen Verstrickungen werden darin ebenso beleuchtet wie der Freitod von Politikergattinnen und der Überfall auf das OPEC-Gebäude 1975. Dieser

Fall ist wie andere auch immer noch nicht abgeschlossen, da der dafür verantwortliche Terrorist "Carlos" · seinerzeit von der hohen Politik per Handschlag aus Österreich verabschiedet · bis dato

nicht von Frankreich ausgeliefert wurde. Wachbeamte hatten zu wenig Munition · und ein Rätselheft bei sich. Das Buch liefert nicht nur einen Einblick in den damaligen österreichischen

Sicherheitsapparat, sondern fördert indirekt auch die Eingriffe seitens der Politik in die Justiz zu Tage.
Tozzer, Kurt /Kallinger, Günther: Todesfalle Politik · Vom Opec-Überfall bis zum Sekyra-Selbstmord. NP-Verlag, St. Pölten 1999, 349 Seiten, 348 Schilling.