Daß Asterix, Obelix, Idefix und der Rest der Bande als Namenspatron den berühmten Gallierführer Vercingetorix haben, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Über die Schlachten von Gergovia und Alesia ("Wir wischen nischt, wo dieschesch Aleschia ischt!" behauptet Alkoholix), erfährt man hingegen bei Goscinny / Uderzo nur Rudimentäres. Und was die Ordnung in den römischen Legionen angeht, so erscheint dem Comics-Leser die Meldung "1. Legion, 3. Kohorte, 2. Manipel, 1. Zenturie! Ave!" Auswuchs einer überbordenden Bürokratie.

Zwei Historiker, die anhand der Asterix-Bände das Gallien zur Zeit Cäsars untersuchen, versichern uns, daß gerade diese Ordnung die Stärke der römischen Truppen war. Sie zitieren Polybios, der die Anlage der Heerlager lobt: "Weil alle Lagerunterkünfte dieselbe Einteilung haben und jeder Soldat genau weiß, in welcher Straße und an welchem Ort sein Zelt steht, scheint es, als ob er beim Betreten des Lagers nach Hause in seine Stadt zöge."

Trotz der populären Ausrichtung des Werkes, nehmen die Autoren ihre wissenschaftliche Ethik ernst und betonen die Relativität der geschichtlichen Erklärungen, einerseits aufgrund des Blicks aus der jeweiligen Gegenwart und Ideologie, andrerseits aufgrund des subjektiven Forschungsinteresses. Dementsprechend verweisen sie auch an vielen Stellen darauf, daß die vorhandenen Quellen unterschiedliche Deutungen zulassen bzw. zu spärlich für Aussagen sind, "denn Frauenkleidung wurde von den antiken Schriftstellern nicht thematisiert, und es gibt davon keine guten Abbildungen." Der Untertitel "Die ganze Wahrheit" dürfte denn auch von einem Marketingmenschen stammen.

Anhand der Hauptfiguren und einzelner Motive wird das Leben und die Organisation der gallischen Stämme dargestellt, Originaltexte über Druiden, Häuptlingen und Barden wechseln mit Interpretationen von Fundstücken.

Etwas unangenehm fällt das ständige Lob für die Asterix-Väter auf.Auch wenn man Goscinny und Uderzo zugestehen mag, daß sie einiges an Literatur aufgearbeitet haben, die historische Korrektheit der Darstellung war sicherlich nicht ihr Anliegen. Man fraggt sich daher, was derartige Feststellungen sollen: "Wir können somit nicht ausschließen, daß es Kelten gab, die Zöpfe trugen. Es konnten bisher lediglich noch keine Belege dafür gefunden werden."

Meine Vermutung: Die Vergabe der Abdruckrechte für Ausschnitte aus Asterix-Comics wird sehr restriktiv gehandhabt. Etwas Bauchpinseln kann da möglicherweise helfen.
René van Royen / Sunnyva van der Vegt: Asterix. Die ganze Wahrheit, C.H. Beck, München 1998, 191 Seiten