Aus der Lawine der "Namen, Fakten, Beweise", mit der Peter-Ferdinand Koch in seinem Buch "Enttarnt" den Leser überschüttet, lässt sich immerhin der Schluss ziehen, dass es in den Geheimdiensten der Bundesrepublik Deutschland jahrzehntelang von Doppelagenten und sowjetischen Maulwürfen nur so wimmelte.

Dies war die subtile Strafe für eine Politik, die es alten Nazis leicht machte, immer mehr alte Nazis nachzuziehen. Ihr Vorleben wurde schlampig oder gar nicht untersucht. In mehr als einem Fall oblag die Überprüfung eines längst von einem sowjetischen Geheimdienst angeworbenen Kandidaten einem seinerseits längst von einem solchen erpressten westdeutschen Geheimdienstler. Selbst die Durchsuchung der Spiegel-Redaktion 1961, die Franz Josef Strauß den Ministerposten kostete, sei, so Koch, von einem ehemaligen Massenmörder geleitet worden.

Das Buch leidet leider nicht nur unter einer extremen Unübersichtlichkeit und der Unfähigkeit des Autors, die Masse seines Materials in überblickbare Zusammenhänge zu bringen. Er mischt auch seine Fakten mit Vermutungen und mitunter sogar abenteuerlichen Schlussfolgerungen.

Musterbeispiel ist die mit üblen Unterstellungen gewürzte Behauptung, Österreichs Bundespräsident Theodor Körner habe in den 1950er Jahren den zu 20 Jahren verurteilten stellvertretenden Wiener Gestapochef Karl Ebner "nicht aus einer Laune heraus" begnadigt, sondern die amerikanische CIC oder die sowjetische GRU habe ihm dabei die Hand geführt.

Koch ist wohl der ganze Komplex der fragwürdigen österreichischen Kriegsverbrecher-Begnadigungen ebenso entgangen wie die Tatsache, dass diese grundsätzlich auf Vorschlag des Justizministeriums erfolgten.

Der Eindruck, dem Autor sei da und dort die Hand geführt worden und auch die eine oder andere persönliche Rechnung werde beglichen, drängt sich auf. Die Vermischung von Fakten und Vermutungen mit den Mitteln eines flapsigen, schnell eintönig wirkenden Stils zieht sich durch das ganze Buch und mindert dessen Glaubwürdigkeit.

Auch für die Behauptung, ein Abgesandter der jüdischen Untergrundbewegung Hagana habe 1937 in Berlin dem deutschen SD ("Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS") eine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit angeboten ("Die Hagana brachte es somit zu einem Spitzeldienst der SS") und Adolf Eichmann nach Palästina eingeladen, fehlt der quellenmäßige Beleg. Und ausgerechnet Eichmann fehlt im Namensregister.

Sachbuch

Enttarnt - Doppelagenten: Namen, Fakten, Beweise

Peter-Ferdinand Koch

Ecowin Verlag, 468 Seiten, 24,90 Euro