Für jeweils eine gewisse Zeit gibt eine Metropole in der Welt den (pop-)kulturellen Ton an, oft merkt man erst im Rückblick, wo der Zeitgeist in welchem Jahrzehnt am heftigsten wehte. Der Band "Swinging London" , Untertitel: "The Sixties - Leben und Kultur 1956-1970", verortet, sicher ohne großen Widerspruch, das Zentrum der damals anbrechenden Popkultur an der Themse. Wer modisch etwas auf sich hielt, trug Kleidung aus der Carnaby Street. Die Cineasten erfreuten sich am Geheimagenten 007 ihrer Majestät, der Queen. Das TV-Publikum lag den "Avengers" John Steed und Emma Peel (alias Patrick Macnee und Diana Rigg) zu Füßen. Vor allem aber mischten neue englische Bands (auch wenn sie, wie die Beatles, aus Liverpool oder anderen Städten stammten) von London aus die Musikszene auf und ließen die Schallplattenindustrie boomen.

In dem mehr als reich bebilderten, von Rainer Metzger getexteten Band swingt das Lebensgefühl der "Roaring Sixties" mit, wobei Musik, Film und Fotografie eindeutig dominieren. Einzelnes wird mancher, der damals durch London geschlendert ist, sogar in diesem umfassenden Werk vermissen - zum Beispiel ein Wort über Agatha Christies Stück "Die Mausefalle", das jahrelang ununterbrochen lief, beziehungsweise über Cat Stevens (dessen Stern damals mit "Matthew and son" aufging) oder Tom Jones (der mit "Green green grass of home" Furore machte). Aber da war den Buchproduzenten wohl wichtiger, noch ein paar Fotos mehr von Mädchen im Minirock oder in erotischen Posen unterzubringen.