Eine junge, in England aufgewachsene Jüdin reist nach Israel, um sich zu emanzipieren. Davon erzählt die in Wien aufgewachsene Schulamit Meixner in ihrem Debütroman; und zwar so, dass sich stellenweise ein erfrischend klares Stiltalent zeigt, vor allem dort, wo die Autorin das Schicksal ihrer Protagonistin aus kritisch-humoristischer Distanz beschreibt. (Hingegen greift sie in Phasen gefühlsbetonter Intimität nicht selten ins Phrasenkästlein des sentimentalen Schrifttums.)

Die Jüdin namens Emily oder Amy Bloom ist zwanzig, als sie in Tel Aviv ankommt, und befindet sich in einem Zustand, der geprägt ist von "Gleichgültigkeit ihrer Umgebung" gegenüber sowie von grundsätzlicher "Orientierungslosigkeit". Unschlüssig, was sie aus ihrem Leben machen soll (vielleicht doch an der hiesigen Fachhochschule für Innenarchitektur studieren?), stößt Amy auf Nimrod - einen Mann, der alle Probleme zu lösen, alle Zweifel zu zerstreuen, alle Hoffnungen zu erfüllen verspricht. Dieser Muster-israeli ist nicht bloß ein Adonis und Sozialpsychologiestudent, sondern erweist sich zudem als Menschenfreund und idealer Gatte: die beziehungsmäßig verkümmerte, nach Verständnis und Schutz lechzende Amy verliebt sich so rasch in Nimrod, wie sie seinem Heiratswunsch nachgibt.

Doch als Amy dann, ebenfalls rasch, schwanger wird, bekommt die Honeymoon-Harmonie Risse, immer deutlicher zeigen sich ihre Herzensnotstände und Seelenschmerzensgründe. "Du sagst nie wirklich, was du denkst", wirft Nimrod seiner Frau vor, die zwar immer noch am elterlichen Liebesentzug leidet, allerdings trocken konstatiert: "Sie brauchen mich nicht und ich brauche sie nicht."

Eine Behauptung, die bitter, hart und peinlich klingt, bedenkt man, dass ja die Familie in der jüdischen Tradition eine existenzielle Zentralfunktion hat. Der Vater, ein bekannter Maler, und die Mutter, eine eher unbekannte Bildhauerin, können oder wollen mit ihrer Tochter nicht herzlich vertraut sein; sie haben Amy von klein auf in konventioneller Weise korrekt behandelt, no more.

Am Versagen der Alten leiden die Jungen: nicht nur Amy, sondern auch ihre Tochter Sharona, deren Kindheit außerdem von dem Trauma überschattet ist, dass ihr Vater Nimrod auf mysteriöse Art vor Jahren verschwunden ist. Amys Geschichte, angereichert mit Rückblicken in die Vergangenheit und Parallelepisoden aus der Familiengegenwart, darf als ein (nicht ungetrübtes) Versprechen für ihrer Erzählerin Zukunft gelten.