Wer der titelgebende Mr. Rocker Mouse ist, erfährt man erst gegen Ende des Buches - obwohl, eine Ahnung, wer das ist, hat man bald. Und dass der Killer, der da am Anfang des Buches vorgestellt wird, etwas mit Mr. Rocker Mouse zu tun hat, weiß man auch rasch. Beide sind aber nur die Klammer, die quasi die Mitte zusammenhält oder sie genaugenommen erst ermöglicht. Denn auch wenn der erste Eindruck der eines Krimis ist, erweist sich "Mr. Rocker Mouse" als Psychogramm einer Familie, deren Grundfeste durch den Tod der Tochter bzw. Schwester schwer erschüttert ist. Die Eltern geben sich die Schuld am Tod des Mädchens, schütten sich mit Beschäftigung zu, um nicht nachdenken zu müssen, und vergessen dabei auf ihren Sohn Jonny. Der wiederum hat sich die Aufgabe gestellt, seinen besten Freund vor dem Killer zu retten, der durch die Stadt Crumble zieht. Hat man sich erst an Ewald Brokschs ungewöhnliche Beistrichsetzung und seine manchmal hastig wirkende Sprache gewöhnt, taucht man gerne ein in sein kleines Universum menschlicher Abgründe. Auch wenn die Spuren (zu) deutlich ausgelegt sind, bleibt man trotzdem gerne in der Geschichte, folgt den Alpträumen des Vaters und erlebt die Katharsis, die einem Tonband zu verdanken ist. Ein interessantes Beispiel neuer Literatur.

Ewald Broksch: Mr. Rocker Mouse; arovell; 12,90 Euro

Artikel erschienen am 4. Mai 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46