Hermann Langbeins publizistisches Wirken war weitgehend durch seine Haft im Konzentrationslager Auschwitz geprägt. Als Zeitzeuge hat er fast bis zu seinem Tod am 24. Oktober 1995 über Nationalsozialismus, Faschismus und ihre Folgen Aufklärung betrieben. Sein 1972 erschienenes Buch "Menschen in Auschwitz", die sieben Jahre zuvor erschienene zweibändige Dokumentation über den Frankfurter Auschwitzprozess, zu dessen Zustandekommen er wesentlich beigetragen hat, die 1962 mit Ella Lingens-Reiner und H. G. Adler herausgegebene Dokumentation "Auschwitz - Zeugnisse und Berichte", sowie sein autobiografisches Buch "Die Stärkeren. Ein Bericht aus Auschwitz und anderen Konzentrationslagern" sind internationale Standardwerke der KZ-Literatur.

Rechtzeitig zu Langbeins 100. Geburtstag  am 18. Mai hat die Politologin Brigitte Halbmayr eine äußerst empfehlenswerte Biografie über diese herausragende Persönlichkeit fertiggestellt. Schon der Titel "Zeitlebens konsequent" deutet an, dass Hermann Langbein ein Mann mit Prinzipien, mit Ecken und Kanten war, der sich nicht in vorgeformte Schemen pressen ließ. Als zweiter Sohn eines  mehr als assimilierten jüdischen Vaters 1912 in Wien geboren  - die Namen Otto und Hermann für seine Söhne zeigen, wie deutschnational der getaufte Arthur Langbein war -, 1924 durch den frühen Tod der Mutter zum Halbwaisen geworden, stand Hermann Langbein wie sein älterer Bruder schon bald im politischen Konflikt mit dem autoritären Vater. Diesem blieb durch seinen Tod im Jahr 1934 erspart, miterleben zu müssen, wie Hitler und Co mit seinesgleichen umgingen.

Hermann startete seine berufliche Laufbahn als Schauspieler, entschied sich aber dann für die Politik und die Arbeit für die KPÖ. 1938 flüchtete er über Frankreich nach Spanien, nahm dort auf Seite der Internationalen Brigaden an den letzten Kämpfen des Bürgerkriegs teil. Der Flucht nach Frankreich folgte im Frühjahr 1939 die Internierung in den französischen Lagern Saint Cyprien, Gurs und Le Vernet.

Nach der Auslieferung an die Deutschen kam er am 1. Mai 1941 im KZ Dachau an, am 21. August 1942 wurde er nach Auschwitz überstellt - weil sozialdemokratische Häftlingsfunktionäre, unter ihnen Franz Olah, die Kommunisten loswerden wollten. So schrieb es Langbein später in seinem autobiografischen Buch und erregte heftigen Widerstand der Betroffenen. In Auschwitz wurde Langbein zum Häftlingsschreiber des Standortarztes Dr. Eduard Wirths und konnte durch diesen Kontakt einiges dazu beitragen, das Los der Häftlinge  zu erleichtern.

Langbein schloss sich auch der Widerstandsgruppe "Kampfgruppe Auschwitz" an. Bevor er seine geplante Flucht antreten konnte, wurde er im August 1944 nach Neuengamme überstellt. Am 11. April gelang ihm die Flucht aus einem Evakuierungstransport. Unmittelbar danach schrieb er einen 25-seitigen Bericht für die Alliierten über die nationalsozialistischen Konzentrationslager, der Beginn seines Lebenswerks als unermüdlicher Aufklärer.

Nach seiner Rückkehr nach Wien im Mai 1945 trat Langbein wieder in die Dienste der KPÖ, wurde Leiter der Parteischule und ZK-Mitglied. Anfang der Fünfzigerjahre - er hatte 1950 die Journalistin Aloisia Turko geheiratet, 1952 und 1953  waren Tochter Lisa und Sohn Kurt zur Welt gekommen - gab es erste Konflikte mit der Parteiführung. Brigitte Halbmayr zeichnet in ihrer Biografie diese Auseinandersetzungen detailliert nach,  bis zum endgültigen Bruch im Jahr 1958, als Langbein im September aus der Partei ausgeschlossen wurde und 1960 sogar aus der Funktion des Generalsekretärs des kommunistisch dominierten  Internationalen Auschwitz-Komitees gedrängt wurde, ein Schritt, der für die Familie existenzbedrohend war.

Bis zum Tod konsequent

Drei Jahre später wurde Langbein dann Sekretär des neuen Comite International des Camps  und 1967 von Israel als "Gerechter unter den Völkern"  geehrt. Bis zu seinem Tod sollten noch viele Ehrungen folgen, aber Langbein blieb auch hier konsequent: Eine Ehrung durch Bundespräsident Kurt Waldheim lehnte er ab.

Brigitte Halbmayrs Biographie zeigt aber nicht nur den politischen Menschen Hermann Langbein, sondern zeichnet sehr einfühlsam auch den Vater und Ehemann in einer Familie, die von Auschwitz und den Folgen geprägt ist, auch wenn gar nicht viel darüber geredet wird.