Der namenlose spanische Erzähler in Javier Sebastiáns Roman "Der Radfahrer von Tschernobyl" ist zur "Internationalen Generalkonferenz für Maß und Gewicht" nach Paris gekommen. In einem Selbstbedienungsrestaurant hat er am Tag zuvor beobachtet, wie ein alter, offenbar hilfloser Mann ausgesetzt wurde. Am nächsten Tag erkundigt er sich vor Ort, was aus dem Mann geworden ist, und gerät immer tiefer in dessen Geschichte hinein, in die Geschichte des Atomphysikers Wassili Nesterenko, der bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl Schlimmeres verhinderte.

Von Anfang an pendelt der Leser zwischen zwei Welten, zwischen Paris und Prypjat, der ukrainischen Retortenstadt in unmittelbarer Nähe des Reaktors. Dabei erhält er Einblicke in das Leben der zwei Protagonisten und der Bewohner vor, während und nach der Katastrophe. Ein von Anfang an fesselnder, trotz der Materie sehr unterhaltsamer Roman.

Javier Sebastián: Der Radfahrer von Tschernobyl. Roman. Aus dem Spanischen von Anja Lutter. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2012, 218 Seiten, 19,90 Euro.