In jungen Jahren: Randi und Helmut Crott. - © Dumont Verlag/privat
In jungen Jahren: Randi und Helmut Crott. - © Dumont Verlag/privat

Zu Ostern 1942 trifft die 19-jährige Lillian Berthung im Ferienhaus ihrer Familie bei Harstad im nördlichen Norwegen erstmals mit zwei deutschen Soldaten zusammen.  Ihr Vater John, Leiter einer Zeitungsdruckerei, hatte die beiden, mit denen er beruflich zu tun hatte, eingeladen. "Aber bitte kommen sie in Zivil", hatte er gebeten. Lillian verliebt sich auf Anhieb in Helmut Crott, einen der Besucher. Aber die Beziehung muss ein Geheimnis bleiben.

Die Norweger hassen die Deutschen, die ihr Land im Frühjahr 1940 okkupiert haben, um die schwedischen Erzlieferungen über den norwegischen Hafen Narvik zu sichern. Beziehungen zwischen den deutschen Soldaten und der norwegischen Bevölkerung werden von den Einheimischen nicht gerne gesehen. Heimlich trifft Lillian ihren Freund und schwindelt mit schlechtem Gewissen auch die Eltern an. Als eine jüdische Familie aus der Nachbarschaft Lillians verschwindet und sie Helmut darauf anspricht, gesteht er ihr sein großes Geheimnis: Er ist selbst Halbjude. Seine Mutter ist Jüdin, seine Tante wurde von den Nazis in Deutschland bereits in ein Konzentrationslager deportiert. Der Vater wurde zwangspensioniert, weil er sich nicht von seiner jüdischen Frau scheiden lassen wollte. Helmut Crott, dem es bisher gelungen war, seine jüdischen Wurzeln geheim zu halten, verlangt von seiner norwegischen Freundin nur eines: "Erzähl es niemandem!"

Berührende Liebesgeschichte


Als die deutsche Front im nördlichen Norwegen im Frühjahr 1945 zusammenbricht, flüchtet Lillian, die sich vor Vergeltung ihrer Landsleute fürchtet  - Freundinnen haben den Kontakt zu ihr abgebrochen, als sie von ihrem Verhältnis zu Helmut erfuhren -, in den Süden des Landes, wo sie das Kriegsende erlebt. Auf abenteuerliche Weise trifft sie ihren Freund noch einmal in einem Kriegsgefangenenlager, aber es soll zwei Jahre dauern, bis sie ihn in Deutschland heiraten kann.

Am 7. Dezember 2008 ist Helmut Crott gestorben. Seine 1951 geborene Tochter Randi, eine Fernsehjournalistin, die erst spät von ihrer Familiengeschichte erfahren hat - unter der Devise "Erzähl es niemandem!" -  hat gemeinsam mit ihrer  1922 geborenen Mutter die berührende Liebesgeschichte ihrer Eltern aufgeschrieben unter Heranziehung der Tagebücher der Mutter und der Briefe, die noch während des Krieges zwischen den Verwandten kursierten. Es ist die erschütternde Geschichte eines Soldaten, der miterleben muss, wie seine Familie vom gleichen Regime, das ihn in den Krieg geschickt hat, drangsaliert wird. Randi Crott hat aber auch die Kriegsjahre in Norwegen, die in Deutschland nach 1945 kaum thematisiert wurden, in ihrer Familiengeschichte hervorragend dargestellt.

Randi Crott, Lillian Crott Berthung: Erzähl es niemandem! - Die Liebesgeschichte meiner Eltern. DuMont Verlag, 288 Seiten, 20,60 Euro.