Der in Deutschland durch seine nächtlichen Telefon-Talkshows in der ARD bekannte Journalist Jürgen Domian tut in seinem Buch das, was Maler seit Jahrhunderten üben. Er personifiziert den Tod. Er interviewt ihn und macht den Lesern jene Wahrheiten zugänglich, die für Menschen fassbar sind. Etwa, dass der Tod noch niemanden übersehen hat. Der große Rest, auf den es ankommt, bleibt freilich verborgen. "Die Antwort darauf würde dir das Gehirn zerbersten lassen", sagt der Tod einmal auf die Frage, wer die absolute Wirklichkeit erschaffen habe.

Wer denkt schon gerne daran, wie wenig von ihm einmal bleiben wird? Detail aus dem Schädelturm in Nis, Serbien. - © Rupprecht@kathbild.at
Wer denkt schon gerne daran, wie wenig von ihm einmal bleiben wird? Detail aus dem Schädelturm in Nis, Serbien. - © Rupprecht@kathbild.at

Der Autor ist seiner eigenen Erzählung nach aus psychischen Gründen in seine berufliche Laufbahn geraten. Von Kindheit an habe ihn die Endlichkeit fasziniert, verstört und tief verängstigt. In einer frühen Lebensphase wurde er zu einem "fanatischen" Christen, aber die damit verbundene Hoffnung war kurzlebig. Heute glaubt er an keinen Gott und keine Auferstehung, sondern an aktive Sterbehilfe. In seinen Sendungen habe er mit rund 20.000 Menschen über alles gesprochen, was zum Leben gehört und danach kommt. Dabei stieß er an das Unüberschreitbare und erinnert an Wittgensteins Ausspruch: Den Tod erlebt man nicht.

"Auch das geht vorbei"

Dennoch ist Domians Buch ein empfehlenswerter Begleiter für jene, die dem weisen Ratschlag von Priestern, Palliativmedizinern, Psychologen und Lebenshelfern folgen wollen, sich rechtzeitig mit dem unvermeidlich Geheimnisvollen vertraut zu machen. Domian erhält vom Tod keine Auskunft, die einen belegbaren Inhalt hätte: "Alles, was du zutiefst bist, kennt weder Tod noch Geburt", sagt ihm sein Gesprächspartner. Und schenkt ihm für alle Lebenslagen einen letzten hilfreichen Satz: "Auch das geht vorbei." Gian Domenico Borasio holt den Tod auf die lebensnahe Ebene herunter. Er ist ein bekannter, an der Universität in Lausanne in der Schweiz lehrender Palliativmediziner und gehört also zu jenen, die die letzte Lebensphase der Menschen samt dem Sterben durch hohe Professionalität und einfühlsame "Begleitung" in institutionellen Einrichtungen menschlich gestalten wollen. In nüchterner Form behandelt er alle einschlägigen Themen: Was ist der Gehirntod, warum sterben die Zellen, was ist Sterbebegleitung, was brauchen Menschen an ihrem Lebensende?

Rund 90 Prozent der Menschen unseres Kulturraums möchten am liebsten in häuslicher Geborgenheit sterben. Dieser fromme Wunsch wird erstens selten erfüllt, zweitens ruft er ein paar merkwürdige Ausformungen unserer Lebensordnung in die Werkstatt der letzten Tage zurück: ohne funktionierende Großfamilie keine Geborgenheit, ohne Kinder keine natürliche Weitergabe des verlöschenden Lebens. Die Single-Ideologie taugt nicht für das Lebensende.

Drang nach Unsterblichkeit


Der britische Diplomat und Journalist Stephen Cave spürt vier Wegen zum ewigen Leben nach: Weiterleben, Auferstehung, Ablösung der Seele und Vermächtnis (Ruhm und Unsterblichkeit). Der Autor führt durch eine mehrtausendjährige Geschichte, zu Pyramiden und in die unterirdischen Lebenswelten verstorbener chinesischer Kaiser. Er analysiert den Macht- und Erfolgsrausch Alexanders des Großen und die Triebkräfte von Heroen, Eroberern und Städtebauern.

Die Systematik, mit der Cave den Unsterblichkeitsdrang auf die einzelnen Kapitel verstreut, hat freilich etwas Störendes. Sie bietet ein Panoptikum, aber keine Antwort auf letzte Fragen.