(was.-) Deutschlands grüner Paradepolitiker Joschka Fischer blickt auf die 2005 untergegangene rot-grüne Koalition zurück. Das wäre bei einem anderen Politiker vielleicht eine fade Worthülsensammlung geworden, nicht aber bei Fischer. Als Außenminister betrat er nach dem Terroranschlag des 11. September 2001 ein weltpolitisches Minenlager. Bundeskanzler Gerhard Schröder sicherte den USA die "uneingeschränkte Solidarität" Deutschlands zu, die Bundeswehr beteiligte sich an der Militäraktion in Afghanistan. Zugleich aber registrierte Fischer mit Bitterkeit, wie Präsident George W. Bush den "Krieg gegen den Terror" in Richtung eines "Weltkriegs neuen Typs" trieb und einen Militärschlag gegen Irak vorbereitete. Der führte dann zum deutsch-amerikanischen Zerwürfnis. Als "Realo" machte Außenminister Fischer pragmatische Politik, als grüner Würdenträger wurde er aus dem eigenen Lager angefeindet. Deutschlands "grün-protestantischer Nationalpazifismus" regte sich und war nur mit Mühe zu zähmen. Fischer verachtete die amerikanischen Neukonservativen, die Neocons, weil sie die Herrschaft der Ideologie über die Realität ausriefen. "Ich hörte bei ihnen die Gesänge, die Musik, den Radikalismus meiner eigenen revolutionären Vergangenheit heraus", gesteht er. Freilich kam die Musik jetzt von rechts.

Joschka Fischer: "I am not convinced". Der Irak-Krieg und die rot-grünen Jahre. Knaur Taschenbuch Verlag, 368 Seiten, 13,40 Euro