Sozialkritik und schwarzer Humor: George Saunders. - © Wikimedia
Sozialkritik und schwarzer Humor: George Saunders. - © Wikimedia

Gäbe es einen Wettbewerb für absurde Buchcover, würden die deutschsprachigen Editionen von George Saunders’ Erzählbänden regelmäßig einen der ersten Plätze belegen. Seine Fans schrecken solche Äußerlichkeiten nicht. Sie wissen, was sie zwischen den Buchdeckeln erwartet: Geschichten, die derzeit zum Besten, Witzigsten und zugleich zum Verstörendsten gehören, was an Literatur aus den USA zu uns kommt. (Aus dem deutschsprachigen Raum kamen solche Texte schon lange nicht mehr.) Auch Saunders’ im Frühjahr 2012 frisch übersetzter Band "I CAN SPEAK"" ("In Persuasion Nation", 2006) enttäuscht nicht.

Autor mit Kultstatus


Im Bundesstaat New York, wo Saunders lebt und wirkt - er lehrt u. a. Creative Writing an der Syracuse University -, hat er eine Art Kultstatus erreicht. Er publiziert in "The New Yorker", "Harper’s Magazine" oder "GQ". Für seine Geschichten hat er mehrfach den National Magazine Award und andere Auszeichnungen erhalten. Sein international bislang erfolgreichstes Buch ist eines (nicht nur) für Kinder: "Die furchtbar hartnäckigen Gapper von Frip" erzählt die zauberhafte Geschichte von Serena. Sie sorgt im verarmten, von den Gappern (tennisballgroße, orange Wesen, die Ziegen lieben, was umgekehrt gar nicht der Fall ist) geplagten Ort Frip dafür, dass endlich wieder Gemeinsinn und Lebensfreude einkehren.

Saunders erwachsene Helden können selten mit solchen Erfolgen aufwarten. Das mag auch am Übermaß der widrigen Umstände liegen, die ihnen aufgebürdet werden. Einige müssen sich für ihren Lebensunterhalt in reservatähnlichen Themenparks verdingen. Dort arbeiten sie als Steinzeitwesen (Pastoralien, 2002), als "Defekte" mit seltenen Behinderungen (Bounty-Land, 2002) oder als "Lebensechtheitsinspektor"(BürgerKriegsLand fast am Ende, 1997).

Auch in "I CAN SPEAK"" bleibt Saunders der "Unterhaltungsindustrie" und dem perfekten Marketing treu. Dabei dreht er die Lebenswirklichkeiten von uns Konsumenten oft nur ein wenig weiter in Richtung Fiktion oder möglicherweise gar Zukunft. Wer Saunders liest, wünscht sich aber inständig, diese möge pure Erfindung bleiben. Denn die neue Welt ist nicht schön, sondern unmenschlich und einsam, auch wenn man beim Lesen schon lange nicht mehr so gelacht hat.