Opfer der Schattenjahre. - © .AZ-Fotoarchiv des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung..
Opfer der Schattenjahre. - © .AZ-Fotoarchiv des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung..

Dieser reichhaltige Bildband illustriert und dokumentiert am Beispiel Wiens mit eindringlicher Augenfälligkeit eines der düstersten Kapitel der österreichischen Zeitgeschichte: das Jahrfünft von 1929 bis 1934. Ausgelöst durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse im Oktober 1929 schlitterte die Weltwirtschaft in eine desaströse Krise mit verheerenden Folgewirkungen.

Die kleine, wirtschaftlich schwache und durch Parteienhader innenpolitisch zerrüttete Alpenrepublik blieb davon nicht verschont. Banken brachen reihenweise zusammen, die Industrieproduktion ging rapide zurück, die Arbeitslosigkeit stieg rasant an. Der Boden für autoritäre Herrschaftsausübung war aufbereitet.

Der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß schaltete auf dem Weg zum austrofaschistischen Ständestaat im März 1933 fintenreich das Parlament aus und zerschlug danach gezielt Schritt für Schritt den demokratischen Rechtsstaat. Gegen die sozialdemokratisch geprägte Wiener Stadtverwaltung, die nach dem Ersten Weltkrieg mit großzügigen sozialpolitischen Maßnahmen, einem heute weltweit beachteten Wohnbauprogramm und einer Schulreform beachtliche kommunale Akzente setzte, führte die Dollfuß-Regierung einen finanziellen Vernichtungsfeldzug.

Ein Großteil der geschilderten Ereignisse, das Gesicht dieser Zeit, reflektiert sich in dieser Bilddokumentation, deren Abbildungen zur Gänze dem Foto- und Bildarchiv der "Arbeiter Zeitung" im Verein der Geschichte der Arbeiterbewegung entnommen sind. Die beiden Herausgeber haben das vielfach zum ersten Mal veröffentlichte Bildmaterial sorgfältig ausgewählt und in thematische Kapitel gegliedert. Die Hoffnungslosigkeit blickt uns aus Arbeitslosengesichtern und Slumwohnungen entgegen, die Wohnbauten des Roten Wien springen markant ins Auge, das "Wunderteam", das es im österreichischen Fußball tatsächlich einmal gegeben hat, erregt unsere Aufmerksamkeit, die Schreckenszenen des Bürgerkrieges von 1934 bewegen das Gemüt...

Angesichts der derzeitigen Krise der Weltwirtschaft sollten wir diese Bilder durchaus als Menetekel sehen und verstehen.