Ein Notarztteam findet in einer römischen Villa einen Bewusstlosen, der die Worte "Töte mich" in seine Brust eintätowiert hat. Daneben liegt ein roter Rollschuh, Andenken an einen Mord vor vielen Jahren. Und das Opfer von einst war die Zwillingsschwester der Notärztin, die nun vor Ort ist. Weitere Indizien für andere Morde finden sich bei dem Bewusstlosen - ist er ein Serienmörder? Und wer hat genau diese Ärztin gerufen, deren Schwester das erste Opfer war? Eine weitere junge Frau verschwindet. Zwei Priester untersuchen heimlich die Wohnung der Vermissten, einer davon hat sein Gedächtnis verloren. Gleichzeitig leidet die Polizistin Sandra Vega unter dem Verlust ihres Mannes David, eines Fotojournalisten. Er war immer wieder verschwunden, um seiner Arbeit nachzugehen. Und dann starb David plötzlich in Rom, beim Sturz von einem Dach. Der Anruf eines Interpolagenten macht Sandra stutzig: Ging es bei dem Unfall ihres Mannes nicht mit rechten Dingen zu? Sie beginnt auf eigene Faust Davids Spuren zu folgen. Dabei stößt sie auf die mysteriöse Priestersekte der Pönitenziare, Agenten, die in besonderen Fällen ermitteln und eigentlich nicht mehr existieren dürften. Mörder und Opfer, Ermittler und Intrigen - als Leser durchschaut man das kunstvoll gewebte Thriller-Gespinst bis zuletzt kaum. Aber irgendwann ist man dieser Geschichte rettungslos verfallen. Viele Akteure, manche ohne Gesicht, unterschiedliche Perspektiven, Zeitebenen, Motive - da muss man sich schon konzentrieren. Aber es zahlt sich aus: ein ungewöhnlich dichtes, meisterhaft konstruiertes Werk.

Donato Carrisi: Der Seelensammler. Piper; 10,30 Euro

Artikel erschienen am 21. September 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46