Prognosen, das ist ja bekannt, sind vor allem dann besonders gefährlich, wenn sie die Zukunft betreffen. Das musste im Verlauf der letzten vierzig Jahre auch der legendäre Think-Tank "Club of Rome" betrübt zur Kenntnis nehmen, dessen 1972 publizierter Bericht über das drohende Ende der Rohstoffe ("Die Grenzen des Wachstums") und den daraus resultierenden globalen ökonomischen Kollaps aus heutiger Sicht von überschaubarer Präzision gewesen ist. Heute ist Erdöl zwar teuer, aber reichhaltig vorhanden, und neue Gas-Fördertechnologien erschließen nahezu unbegrenzte Energie-Ressourcen. Von Kollaps keine Spur.

Doch der Flop hat den "Club of Rome" nicht davon abgehalten, pünktlich zum 40. Jahrestag des Erscheinens der "Grenzen des Wachstums" einen neuen Versuch zu wagen, die Welt von morgen zu beschreiben. "2052 - Eine globale Prognose für die nächsten 50 Jahre" nennt sich der Folgeband und kommt damit doch ziemlich breitspurig daher.

Wahrscheinlich sollte man das Buch am besten in den Keller zu den guten Bordeaux-Flaschen legen und dann erst lesen: Erheblicher Unterhaltungswert dürfte angesichts der vermutlich auch diesmal nicht viel besseren Trefferquote gesichert sein.

Denn Herausgeber und Hauptautor Jorgen Randers, ein norwegischer Zukunftsforscher, der schon am ersten Bericht 1972 beteiligt war, hat zwar eine Reihe mehr oder weniger plausibler Prognosen erstellt und zusammengeführt, wiederholt aber vermutlich einen Grundfehler, der schon "Die Grenzen des Wachstums" scheitern ließ: Er unterschätzt die menschliche Innovations- und Anpassungsfähigkeit in erheblichem Ausmaß. Und kommt damit, in sich ja durchaus argumentierbar, zum selben Schluss wie 1972: The End is near!

Bedroht ist die Menschheit diesmal freilich nicht vom Mangel an Energie, sondern ganz im Gegenteil von deren reichlicher Verfügbarkeit. Klimawandel und Erderwärmung sind, Überraschung, die Hauptbösewichte in "2052": "Es gibt dann mehr Dürren, Hochwasser, Extremereignisse und Insektenplagen (...) Viele Arten sind ausgestorben."

Auch jenseits der vielleicht doch etwas gewagten Wetterprognosen für das Jahr 2052 kommt der neue Bericht an den "Club of Rome" derart kulturpessimistisch daher, dass selbst weiland Oswald Spengler ("Der Untergang des Abendlandes") dagegen wie ein vergnügungssüchtiger Luftikus erscheint. Vor allem die westliche Welt hat, wenn Randers diesmal recht haben sollte, keine allzu helle Zukunft vor sich. "Die Überraschungsverlierer werden die derzeitigen globalen Wirtschaftseliten sein, insbesondere die Vereinigten Staaten, wo der Pro- Kopf-Verbrauch auch in der kommenden Generation stagnieren wird (...) Das Produktivitätswachstum wird geringer ausfallen als in der Vergangenheit, weil die Volkswirtschaften zunehmend ihr Entwicklungspotenzial ausschöpfen und weil soziale Verteilungskämpfe und extremer Wettbewerb zunehmen werden." Der globale Konsum von Gütern und Dienstleistungen werde "2045 seinen Höchststand erreichen" - und danach tendenziell eher sinken.

Die Ursachen für diese mäßig erbauliche Entwicklung hat Randers natürlich auch eindeutig identifiziert: "Der verengte Blick von Kapitalismus und Demokratie auf kurzfristige Erfolge führt dazu, dass weise Entscheidungen für das langfristige Vorgehen nicht rechtzeitig getroffen werden." (Leider verschweigt uns der Autor, welches politische Betriebssystem er an die Stelle der vom Tunnelblick heimgesuchten Demokratie setzen würde.)

Auch Prognosen von durchaus hoher Plausibilität

Wirklich originell und witzig wird "2052" hingegen oft da, wo es nicht gleich um die Rettung der Welt vor der Apokalypse geht, sondern um Prognosen von eher sekundärer Bedeutung. Da erfahren wir etwa mit durchaus hoher Plausibilität, dass kulturelle Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt, von der Mona Lisa bis Angkor Wat, dermaßen von hunderten Millionen zusätzlicher Touristen überrannt werden, dass jahrelange Vorausbuchungen des Eintritts den Zugang für Normalverbraucher extrem erschweren würden. Was freilich nicht ausmache, weil all diese Sehenswürdigkeiten dann in der virtuellen Welt genauso gut zu besichtigen sein werden.

Man muss die Thesen des Buches nicht teilen, um es lesenswert zu finden. Wirklich Spaß aber wird die Lektüre im Jahr 2052 machen.