(K.H.) "Besser als ihr Ruf" - so titelte Friedrich Achleitner vor 30 Jahren seinen Aufsatz über die Architektur der Fünfzigerjahre, deren Image nicht das Beste war. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ihre Bauten verschwinden aus dem Stadtbild, sie werden zerstört, bis zur Unkenntlichkeit verändert oder man lässt sie vergammeln. Natürlich gibt es Highlights wie das Strandbad Gänsehäufel, Roland Rainers Stadthalle, Karl Schwanzers Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel, der seine Metamorphose zum 20er und jetzt zum 21er Haus überstanden hat. Sie werden gehegt, gepflegt, dokumentiert und immer wieder publiziert.
Doch wo stehen die anderen Bauten, die Achleitners oben erwähnten Titel rechtfertigen? Stefan Oláh hat sie in Wien und in den Bundesländern wiederentdeckt und in wunderbaren puristischen Aufnahmen festgehalten, wobei er auch kleinen Details Aufmerksamkeit widmet. In seiner Reise in Bildern begegnet man dem Paracelsusbad Salzburg, der geradezu majestätisch anmutenden Nationalbank in Linz, einem Schneidersalon in Graz oder dem Kraftwerk Imst. Moderate Moderne, die die Zeit überdauert hat. Oláhs liebstes Werk dieser Zeit: der Plenarsaal des Parlaments.

Österreichische Architektur der Fünfzigerjahre. Fotografiert von Stefan Oláh. Anton Pustet, 174 Seiten, 29 Euro.