(Wei) Von den römischen Machthabern weiß man, dass viele von ihnen vor politischen Entscheidungen den Rat der Auguren und der Haruspizes in Anspruch nahmen. Und dass Wallenstein astrologiegläubig war und dem Italiener Giovanni Seni, der noch heute in Kreuzworträtseln sein Unwesen treibt, blind vertraute, ist auch bekannt. Auch andere einflussreiche Persönlichkeiten vertrauten den Sterndeutern, der Renaissancepapst Alexander Borgia VI. etwa und Kaiser Maximilian I. Aber dass auch Joseph Goebbels, natürlich nicht offiziell, die Astrologie zu Propagandazwecken benützte, überrascht doch ein wenig. Goebbels bediente sich eines Schweizer Scharlatans namens Ernst Krafft, lieferte ihn aber dann dem KZ Buchenwald aus. Da fügt es sich gut, dass auch der britische Geheimdienst während des Zweiten Weltkrieges einen Astrologen beschäftigte und US-Präsident Ronald Reagan jede Entscheidung vorher mit seiner Frau Nancy besprach, die auf eine Astrologin hörte. Die Autorin hat für ihr Buch einschlägiges Quellenmaterial durchgearbeitet. Sie tischt dem Leser keine Illustriertengeschichtchen auf, sondern nackte Tatsachen. Ihr Blick hinter die Kulissen der Macht ist aufschlussreich, auch zumal sie spannend und locker schreibt.

Annette Klingner: Heimliche Regenten. Astrologen als Drahtzieher der Macht. Collection Rolf Heyne, 239 Seiten, 19,90 Euro.