"Der Islam ist die Antwort." Mit diesem Leitspruch etablierte sich die 1928 gegründete Muslimbruderschaft zur heute stärksten islamistischen Bewegung des arabischen Raums. Auch für die noch konservativen Salafisten und Al-Kaida nahen Gruppierungen öffnete die Ära nach dem Arabischen Frühling das historische Fenster, um verstärkt Einfluss zu nehmen. Wahlen in Tunesien und Ägypten wurden zum Triumphzug vor allem der Muslimbrüder, weil die Mehrheit der Menschen von ihnen am wenigsten Korruptheit an der Spitze staatlicher Macht erwartete, schreibt die österreichische Fachjournalistin Petra Ramsauer in ihrem wirklich guten Buch.

In zwölf Reportagen meldet sie sich von den Schauplätzen der Revolution in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien. Mit dieser gelungenen Mischung aus Sachbuch und Reportage lässt sie die Protagonisten des Umbruchs zu uns sprechen. Die Revolutionen wurden von der aufmüpfigen Jugend Arabiens angezettelt, mit ihren Protesten Despoten gestürzt. Doch die Wahlen gewannen die Islamisten. Die Autorin will trotz aller Ungewissheit über den Ausgang der Entwicklungen aufzeigen, dass Radikalisierung und Gewalt keineswegs ein Automatismus des "real existierenden" politischen Islams sind.

Extremismus verliere an Anziehungskraft, wenn es gelänge, islamistische Bewegungen im demokratischen Prozess zu verankern. Gerade die EU sei jetzt aufgerufen, dafür Starthilfe zu geben. Lesenswert.