Das Schrammelquartett ist eine Legende... - © Quelle: Volksliedarchiv für Niederösterreich und Wien
Das Schrammelquartett ist eine Legende... - © Quelle: Volksliedarchiv für Niederösterreich und Wien

Das Wienerlied hat bis heute viele Freunde, vor allem wenn man die Bandbreite des Begriffs akzeptiert. Dieser wird schließlich auf die keineswegs stubenreinen Gesänge der Straßensänger des 19. Jahrhunderts gleichermaßen angewendet wie auf verbreitete Theatercouplets, Lieder der sogenannten Volkssänger, Operettenmelodien und auf drei Akkorde zurechtgetrimmte Heurigenfassungen. Dazu kommen jüngere Formen, die sich am angloamerikanischen Songwriting orientieren oder Traditionelles mit aus Blues und Jazz bekannten Formen kombinieren.

Daraus eine Auswahl zu treffen, die alle zufriedenstellt, ist vermutlich unmöglich. Das handliche Bändchen präsentiert Lieder quer durch den Gemüsegarten, ausgewählt wohl nach Beliebtheit und Bekanntheit. Dass der Band mit einer Parodie auf das Wienerlied beginnt, zeigt, dass der Herausgeber dabei nicht blauäugig vorgegangen ist.

Neben den in jeder Sammlung vertretenen Evergreens wie "Mei Muatterl war a Weanerin" (hier als "Wienerin" bezeichnet), dem Fiakerlied (hier blieb das "Weanakind" erhalten) findet man auch Lieder von Hermann Leopoldi, Wolfgang Ambros und Georg Danzer. Zahlreiche Interpreten der Melodien sind in Bildern festgehalten.

Alle Melodien sind einstimmig mit Akkordsymbolen gesetzt, im Anhang findet sich die Grifftabelle für Gitarre. Die eingestreuten kurzen Ausführungen zu Stichwörtern wie "Wein", "Weib", "Jodler und Dudler" verweisen auf Gründe und Abgründe des Wienerlieds.

Das kompakte Format legt den mobilen Einsatz der Sammlung nahe. Weniger praktisch ist der Satz der Texte, deren Verse nicht zeilenweise angeordnet sind. Durch Schrägstriche getrennte Zeilen wie "I bin bald sechzig Jahr' alt / vierz'g Jahr' steh i am Stand, / der" sind allenfalls als Gedächtnisstütze geeignet. Beim spontanen Mitsingen kommt man bald ins Stolpern.

Die Bindung dürfte einiges aushalten. Wenn man den Band auf den Tisch legt, muss man das Aufblättern allerdings mit den bekannten Hilfsmitteln (Wäscheklammer, Glas, Schlüsselbund...) verhindern. Die bei verwandten Produkten eingesetzte Ringbindung passt wahrscheinlich nicht zur corporate identity der traditionellen Buchreihe.