Wenn Börsianer von einem Blutbad sprechen, dann ist das meistens bildlich gemeint und betrifft abstürzende Aktienkurse. Im Fall von Nic Bennetts Thriller "Dead Cat Bounce" ist das Blutbad aber nicht nur ein fiktives, sondern auch ein reales. Wenn auch kein weit ausschweifendes. Aber es gibt Tote. Weil sie zu viel gewusst haben. Es ist nämlich ein abgekartetes Spiel, in das der junge Broker Jonah Lightbody gerät. Schon als Zwölfjähriger hat er seinen Vater David in den Börsenhandelssaal der Bank, für die er arbeitet, begleitet und dabei den "Baron" kennengelernt: den erfolgreichsten Broker der Bank, der ihn Jahre später in sein Team holt.

Doch der "Baron" spielt ein falsches Spiel mit allen Beteiligten. Er verfügt nämlich über Insider-Informationen, die ihn und den Hedgefonds, für den er verdeckt arbeitet, mitten in der Krise immer reicher machen. Doch als sie einmal eine Fehlinformation erhalten, droht das System zu kollabieren - ein Bauernopfer muss her, und das ist David Lightbody. Als Jonah davon erfährt, entscheidet er sich zum ersten Mal in seinem Leben für seinen Vater - und damit gegen den "Baron". Es beginnt ein brutales Katz-und-Maus-Spiel.

Nic Bennett arbeitet in seinem Thriller nicht nur eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung auf, die voller Konflikte und gegenseitigem Unverständnis ist, sondern erklärt auch sehr anschaulich die Krise rund um das Jahr 2008. Und so erlebt der Leser zwar einen typischen Cath-me-if-you-can-Thriller mit einigen platten Wendungen und einem etwas unbefriedigenden Ende, ist dafür aber nachher um einiges klüger, was "Bären-" und "Bullenmärkte" betrifft. Und er lernt auch, was ein "Dead Cat Bounce" (der Hüpfer einer toten Katze) im Börsianer-Jargon ist.