Marseille präsentiert sich 2013 als europäische Kulturhauptstadt - und, mit 80.000 Mitgliedern, als die bedeutendste jüdische Gemeinde (außerhalb Israels) am Mittelmeer. Verwischt sind hingegen viele Spuren jüdischen Lebens in der Provence, bedauert Alexander Kluy in seinem Reisebuch "Jüdisches Marseille und die Provence".

Der Autor spürt den Wurzeln jüdischer Präsenz in Südfrankreich nach, präsentiert kollektive und individuelle "Gedächtnisorte", zeichnet Lebensbilder der ortsansässigen und durchreisenden jüdischen Prominenz. Der Reigen reicht von der mittelalterlichen Gelehrtenfamilie Ibn Tibbon, dem Clan der Nostradamus oder den Bankiers Reinach und Safra bis zur deutschen Schriftstellerkolonie in Sanary-sur-mer und all den Exilkünstlern und -autoren, die vor den Nazis (bis 1942) in Südfrankreich Schutz fanden. Ein außergewöhnlicher Streifzug abseits wohlbekannter Tourismus-Routen.

Alexander Kluy: Jüdisches Marseille und die Provence. Reiseführer. Verlag Mandelbaum, Wien 2013, 298 Seiten, 19,90 Euro.