Im August 1978 reisten vier westliche Intellektuelle - die Autoren Jan Myrdal und Per Olov Enquist, die spätere Vorsitzende des schwedischen Parlaments Birgitta Dahl und der amerikanische Links-Intellektuelle Noam Chomsky - nach Kambodscha, um die "Wahrheit" über das kriegs- und krisengeschüttelte Land in Südostasien zu erforschen, gab es doch kaum verlässliche Informationen von dort. Das Land, das damals unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter deren Führer Pol Pot ("Bruder Nr.1") litt und wo in den dreieinhalb Jahren des "Bauernkommunismus" bis 1979 1,7 Millionen Menschen den Tod fanden, galt manch westlichen Intellektuellen als gesellschaftliche Alternative vor dem Hintergrund des amerikanischen Bombenkrieges. Die vier Reisenden lassen sich durch das Land führen, erfreuen sich am Anblick von Dammbauten, Fabrikanlagen, Reisfeldern und Speisehallen, sprechen mit Bauern und politischen Funktionären und verfassen einen positiven Reisebericht, der heute nur noch im Kontext seiner Zeit verständlich ist.

25 Jahre später entdeckt der schwedische Autor und Journalist Peter Fröberg Idling diesen Bericht und ist mehr als verblüfft. Darin ist nichts von Hunger, Folter, Zwangsarbeit und Tod zu lesen. Idling beginnt zu recherchieren und reist selbst nach Kambodscha. Was er in seinem Buch "Pol Pots Lächeln" mit detektivischem Spürsinn und journalistischem Interesse ans Licht bringt, ist eine abenteuerliche Geschichte voller Lücken und Rätsel. Er zeichnet ein schlüssiges Bild des intellektuellen Engagements und seiner Irrtümer, der subjektiven Lesarten von Geschichte. Idlings Buch ist nie selbstgefällig oder belehrend, sondern eine staunend-suchende Annäherung an den unverständlich gewordenen Blickwinkel der vier Intellektuellen. Waren sie Opfer von Lügen und Propaganda? Oder wollten sie nur "das Gute" sehen und blendeten bewusst aus, was sie vielleicht ahnten? Macht Idealismus blind?

Idlings literarische Rekonstruktion will die "Wahrheit" ermitteln, aber auch den individuellen und historischen Sinn von Irrtümern und Lügen. Er bedient sich einer Montagetechnik, die Reiseeindrücke, zeithistorische Presseberichte, Pol Pots Biografie und Tagebuchauszüge eines der Reisenden auf fesselnde, stimmige Weise miteinander verknüpft. Ein Buch gegen das Vergessen, das einen lehrt, der fremden wie der eigenen Wahrnehmung zu misstrauen.