Nach 14 Jahren Wartezeit und einigen "Thewe-lights" (über Fußball, Bob Dylan, den 11. September und anderes) ist es nun wieder soweit: Klaus Theweleit klotzt einen dieser kiloschweren Buchziegel auf den Tisch, die zu den vorzüglichsten Lektürevergnügen zählen, welche es für intelligente Leser gibt. Formidabel formuliert und ausgiebig illus-triert, vor allem aber bestechend klug erklärt, führt er uns in die expansionistische Grundlegung unserer westlichen Kultur anhand von griechischen Mythen und amerikanischer Popkultur ein.

Der deutsche Kulturwissenschafter zeigt eine Konstellation, die sich als gemeinsamer Nenner von Urzeiten über den Medea-Jason-Mythos bis zu James Camerons "Avatar"-Film nachweisen lässt: Brutale Landnahme und mörderische Vertreibung der Einheimischen wird verbrämt durch die Lügengeschichte, dass eine ortsansässige Königstochter für die Eroberer in Leidenschaft entbrennt (wobei die Vergewaltigung als Hingabe dargestellt wird, damit der Gewaltakt der Eroberung unter den Tisch fällt).

Klaus Theweleit: Pocahontas II: Königstöchter. Verlag Stroemfeld/Roter Stern, Frankfurt 2013, 736 Seiten, 38 Euro.