Schon die Einladung empfindet sie als Zumutung: "Kommt nicht in Frage. Man ist entweder Autor oder Poetikbesitzer. Ich bin doch nicht mein eigener Deutsch-Leistungskurs. Ohne mich."

Das schreibt die deutsche Schrifstellerin und Juristin Juli Zeh als knappe Begründung an ihren Verleger, warum sie die Frankfurter Poetikvorlesungen nicht halten will. Und es fallen ihr noch eine Reihe weiterer Gründe ein, warum sie als vielbeschäftigte Autorin dieser Verpflichtung nicht nachkommen kann - und will. Und die teilt sie allen möglichen Personen in Mails, Briefen und sonstigen Botschaften mit. Nur: All diese Mitteilungen sind schon Teil der Vorlesungen, die sie natürlich recht wohl hält!

Und mit dieser raffinierten und gefinkelten Manier, die allmählich ein buntes Kaleidoskop heutigen Schriftstellerdaseins mit all seinen Herausforderungen abbildet, zeigt die viel gelesene und prämierte Erzählerin und Essayistin einmal mehr, dass sie zu den klügsten, denk- und sprachwendigsten Autorinnen im deutschen Sprachraum zählt.

Juli Zeh: Treideln. Frankfurter Poetikvorlesungen. Schöffling & Co, Frankfurt a.M. 2013, 198 Seiten, 19,50 Euro.