Grenzgänge zwischen fernöstlichen Meditationswegen wie dem Zen-Buddhismus und christlichem Glaubens- und Erfahrungsverständnis sind durchaus fruchtbar, meint die deutsche Theologin Astrid Heidemann in ihrer tief gehenden, vergleichenden Analyse. Die Übungen und Erfahrungen, die von Meistern des Zen-Weges geschildert werden, haben Ähnlichkeiten mit den Schriften vieler christlicher Mystiker - wie etwa von Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz oder Theresa von Ávila.

Der Zen-Weg als fernöstliches spirituelles Übungssystem kann Menschen für tiefe, nichtduale religiöse Erfahrungen öffnen. Das Christentum kann hier vom Zen lernen, Menschen gleichfalls Wege zu tiefer religiöser Erfahrung zu erschließen. Aus diesen Erfahrungen folgt die Erkenntnis, dass die letzte Wirklichkeit Gottes unaussprechlich und unvorstellbar ist. Der christliche Dialog mit Zen sei daher wünschenswert. Allerdings, schränkt die Autorin ein, nur unter der Voraussetzung, dass die Zen-Praxis sich von den religiösen buddhistischen Gehalten ablösen und in die christliche Glaubenspraxis integrieren lasse.

Dennoch verhelfe bewusst gestalteter interreligiöser Dialog dazu, die Begegnung der Religionen zu einer Chance für die eigene Identität werden zu lassen.

Astrid Heidemann: Religiöse Erfahrung als theologische Kategorie - Grenzgänge zwischen Zen und christlicher Theologie. Schöningh, 337 Seiten, 46,20 Euro.