Nach einigen Seiten höchst animierenden Trockentrainings will man es dann selbst wissen - und stürzt sich in die Fluten. So ging es jedenfalls dem Autor dieser Zeilen, als ihn Lynn Sherr’s Beschreibungen der wonnevollen Momente im Wasser flugs in selbiges trieben. Und dort kann man dann - als halbwegs ambitionierter Schwimmer - am eigenen Leib nachempfinden, was die amerikanische Autorin in dieser euphorisch-beflissenen Fibel über ihren Lieblingssport schreibt: "Schwimmen dehnt meinen Körper über seine irdischen Grenzen hinaus aus, lindert jedes Weh und streichelt jeden Muskel."

Nun muss einen dieses universelle Gefühl etwa in chlorierten Bädern nicht zwangsläufig überkommen, aber zumindest in Annäherungen kann man die Annehmlichkeiten des Dahingleitens im Wasser überall verspüren.

Das grafisch sehr schön - mit vielen Abbildungen und Drucken - gestaltete Buch führt durch die Kulturgeschichte des Schwimmens, zeigt historische Veränderungen von Schwimmstilen, Bademoden und in der Bäderarchitektur. Und es erzählt, quasi in einem Nebenfluss, wie die Autorin, eine passionierte Schwimmerin, mit fast siebzig Jahren den Hellespont, besser bekannt als Dardanellen, durchschwamm, also die - der Türkei zugehörige - Meerenge zwischen Europa und Asien, die Lord Byron bereits 1810 durchquerte.

Der flüssig geschriebene Band lässt Badefreaks das Wasser im Mund (oder wo auch immer) zusammenlaufen, und er gehört neben die Schwimmbücher des deutschen Autors John von Düffel und der Kanadierin Leanne Shapton in jede anständige Unterwasser-Bibliothek gestellt, quasi ins Buch-Aquarium.

Lynn Sherr: Swim. Über unsere Liebe zum Wasser. Aus dem Englischen von Andreas Simon dos Santos. Verlag Haffmans-Tolkemitt, Berlin 2013, 251 Seiten, 19,99 Euro.