Marianne Springer-Kremser. - © Medizin-Universität Wien
Marianne Springer-Kremser. - © Medizin-Universität Wien

Eine Gesellschaft, in der Leistung über allem steht, produziert Depressive und Verlierer. Wer nicht mithalten kann im Kampf um besser, höher und schneller, gilt als erfolglos. Es ist eine Krankheit der Gestressten und Vereinsamten: Fast jeder fünfte Bürger in den OECD-Staaten leidet mindestens einmal in seinem Leben an Depressionen. Suizid ist oft die Folge. Da wenig darüber berichtet wird, überrascht die hohe Zahl: Jährlich scheiden 78.000 Europäer durch Selbsttötung aus dem Leben, erfährt man in dem Buch "Die Depressionsfalle" von den Psychiatern und Psychoanalytikern Marianne Springer-Kremser und Alfred Springer. Doch Depression ist nicht nur eine Krankheit, sondern gehört zur menschlichen Existenz und ist kultureller Inhalt. Die "Melancholie" ist immer wieder von Künstlern beschrieben und dargestellt worden.

In der vorliegenden Publikation geht es den beiden Autoren vor allem um eine Stärkung der Patienten und der Angehörigen. Sie sollten möglichst viel Wissen über dieses psychische Leiden erlangen, um den Heilsversprechen der Pharmaindustrie nicht ausgeliefert zu sein.

Diesem Anspruch werden die Verfasser auch gerecht: Nach der Lektüre ist man tatsächlich äußerst gut informiert und verheddert sich auch nicht in Fachchinesisch. Kenntnisreich und verständlich erklären die Experten verschiedene Formen der Depression, wenden sich gegen die Pathologisierung von normalen Trauerprozessen, schildern die Marketingstrategien der Pharmafirmen und geben einen Überblick über Antidepressiva. All die Namen der Medikamente und Behandlungsmethoden können sich Laien zwar nicht so einfach merken, aber es dient auf jeden Fall ihrer Selbstermächtigung, wenn sie in dem Buch nachschlagen können, was ihr Arzt verschreibt. Damit es auch tatsächlich einen Ausweg aus der Falle der Depression geben kann und man nicht in jahrelangen, falschen Behandlungen verharrt.