Der angebliche Terroranschlag, der 1967 auf der Porzescharte an der österreichisch-italienischen Grenze vier italienische Soldaten das Leben gekostet hat, sei keine Aktion österreichischer Aktivisten gewesen, sondern vom italienischen Geheimdienst inszeniert worden, um den Druck auf Österreich in der Südtirolfrage zu verstärken. Die in Abwesenheit im Florentiner Prozess 1971 zu in Italien noch immer rechtskräftigen Gefängnisstrafen (davon zwei lebenslänglich) verurteilten drei Südtirol-Aktivisten Peter Kienesberger, Egon Kufner und Erhard Hartung seien in Wirklichkeit unschuldig.

Das versucht der Militärhistoriker und Publizist Hubert Speckner in seinem jüngst erschienen Buch "Zwischen Porze und Roßkarspitz ..." mit detaillierten Recherchen auch anhand neuer Quellen nachzuweisen. Nach dieser mit vielen Daten und Fakten unterfütterten These seien die drei Aktivisten am 24. Juni 1967 von Osttirol zur Porzescharte aufgestiegen, um Kontakt mit Südtiroler Aktivisten aufzunehmen und einen Verwundeten zu ärztlicher Behandlung nach Österreich mitzunehmen. Auf der italienischen Seite seien sie durch Lichtsignale irritiert worden, hätten eine Falle des italienischen Geheimdienstes vermutet und sich nach Tirol zurückgezogen.

Ein präparierter "Tatort"

Am nächsten Tag kamen vier italienische Soldaten bei zwei Explosionen im Bereich der Porzescharte ums Leben. Die Italiener behaupteten, diese seien Opfer von Sprengfallen der Österreicher geworden, als sie zu Untersuchungen wegen eines gesprengten Strommasten aufgestiegen waren. Diese Version wurde von Italien zum "blutigsten Attentat des Südtirol-Terrorismus" hochgespielt und zur Blockade der Assoziierungs-Verhandlungen Österreichs mit der EWG genutzt. Laut den von Speckner angestellten Untersuchungen wären aber die Italiener bei einem Unfall während Verminungsübungen des italienischen Heeres am nahen Kreuzbergsattel umgekommen, der italienische Geheimdienst hätte die Leichen zur Porzescharte geschafft und dort den "Tatort" präpariert. Das Ergebnis sei dann der österreichisch-italienischen Untersuchungskommission präsentiert worden.

Der frühere langjährige Wien-Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Reinhard Olt, der das Buch auch in einer Pressekonferenz präsentierte, meint in seinem Vorwort, Speckners "überzeugende Erkenntnisse sollten nicht zuletzt auch dazu führen, jenes obskure florentinische Urteil aus der Welt zu schaffen", mit dem Kienesberger, Hartung und Kufner "gänzlich wahrheits- und rechtswidrig für eine nicht begangene Tat verurteilt und also zu Mördern gestempelt wurden".

Ob und welche Folgen das Buch haben wird, ist derzeit völlig offen. Wobei allerdings fraglich ist, ob parteipolitische Zurufe aus der FPÖ an den Bundespräsidenten, sich für die "vollständige Rehabilitierung beziehungsweise Begnadigung" einzusetzen, hilfreich sein können.