Tausende deutsche Kriegsgefangene wurden zwischen 1942 und 1945 in das amerikanische Geheimlager  Ford Hunt überstellt, wo sie heimlich abgehört wurden. Zehntausende Abhörprotokolle wurden erst jetzt entdeckt, und sie liefern ein anschauliches Bild darüber, wie die deutschen Soldaten von der Nazi-Propaganda beeinflusst wurden. Bis zuletzt glaubten viele an den Sieg der Nazis und an die von der NS-Propaganda immer wieder versprochene Wunderwaffe. Je jünger die Kriegsgefangenen waren, umso stärker standen sie unter dem Einfluss der Propaganda.

Dabei standen politisch-ideologische Themen  und NS-Programmatik in der Regel gar nicht so sehr im Mittelpunkt der Gespräche, die abgehört wurden. Das Politische hatte für die meisten Soldaten kaum Relevanz. Typisch dafür ein Gespräch eines Kriegsgefangenen mit einem Zellengenossen nach der Vernehmung: "Der (Vernehmungsoffizier) fing mit dem Hitlersystem an usw. Ich denk: Leck mich doch am Arsch. Wenn der mit dem ankommt, da lass ich ihn reden. Von den Systemen habe ich keine Ahnung, kümmert mich auch nicht."

Vor allem die Soldaten aus der Unterschicht und dem Kleinbürgertum bezeichneten sich selbst als apolitisch. Aber gerade die Politikferne  war eine wichtige Voraussetzung  für die Loyalität zum NS-System, die bei vielen bis zum Kriegsende anhielt. Dass die  Abhörung der Kriegsgefangenen den US-Behörden vor allem dazu diente, die Psychologie des NS-Systems zu studieren, geht daraus hervor, dass selbst schwere Kriegsverbrecher, die in der Zelle mit ihren Mitgefangenen offen über ihre Taten redeten, nicht zur Verantwortung gezogen wurden.

Der aus Brünn stammende SS-Oberscharführer Fritz Swoboda etwa, der offen über seine Rolle bei der Tötung der Heydrich-Attentäter sprach und auch über die Ermordung wehrloser  amerikanischer Kriegsgefangener in Frankreich  - "Wir erschossen einfach jeden, der uns von einer politischen Formation in die Hände fiel", sagte er bei einer Vernehmung -, wurde dafür nie rechtlich belangt. 85-jährig verstarb er unbehelligt im Mai 2007 in einem Badener Pflegeheim.