Witold Pilecki mit seiner Frau Maria 1944 in Legionowo. - © Foto: Besitz der Familie Pilecki
Witold Pilecki mit seiner Frau Maria 1944 in Legionowo. - © Foto: Besitz der Familie Pilecki

Mehr als 50 Jahre lang wurde der im Sommer 1945 von Widerstandskämpfer Witold Pilecki in Italien geschriebene Bericht über seine Haft in und seine Flucht aus Auschwitz totgeschwiegen. Das kommunistische Regime hatte den ehemaligen Kavallerieoffizier und Mitbegründer der polnischen Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besetzung Polens 1947 verhaftet und ein Jahr später als "westlichen Spion" und Verräter verurteilt und hingerichtet. Erst 1990 wurde Pilecki rehabilitiert. 2012 wurde die englischsprachige Ausgabe seiner Aufzeichnungen veröffentlicht, auf die sich die nun erschienene deutsche Übersetzung stützt.

Witold Pilecki ist der einzige Mensch, von dem bekannt ist, dass er seine  Einlieferung in das KZ Auschwitz willentlich herbeigeführt hat. Am 19. September 1940  hatte er sich während einer von der SS durchgeführten Straßenrazzia freiwillig einer Gruppe von Festgenommenen angeschlossen mit einem auf den Namen Tomasz Serafinski  lautenden Ausweis. Zwei Tage später stieg er mit rund 1800 anderen Häftlingen aus Güterwaggons aus und musste durch das Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei". Elf der Häftlinge kamen als Leichen an, zehn von ihnen wurden wegen der Kollektivstrafe für einen von der SS inszenierten "Fluchtversuch" erschossen.

"Nur noch Nummern"


Witold Pilecki, dessen Aufgabe es war, die in Warschau nicht bekannten Zustände in Auschwitz auszukundschaften und den Widerstand der Insassen zu organisieren, erlebt bereits bei der Einlieferung das volle Ausmaß der Brutalität, dem die Häftlinge in Auschwitz ausgeliefert waren. "Dann stecken sie uns also in ein Irrenhaus",  schießt es ihm durch den Kopf. "Wie naiv waren wir doch im fernen Warschau gewesen, was die in die Lager verschleppten Polen anging", notierte er knapp fünf Jahre später in seinem Bericht. "Hier kamen all unsere Habseligkeiten in große nummerierte Säcke. Hier wurden wir kahlgeschoren und bekamen ein paar Tropfen lauwarmes  Wasser ab. Hier bekam ich zwei Vorderzähne ausgeschlagen, weil ich das Pappschild mit meiner Häftlingsnummer in der Hand trug und nicht, wie vom Bademeister an diesem Tag befohlen, zwischen den Zähnen (...) Von da an waren wir nur noch Nummern.  (...) Ich hatte die Nummer 4859. Die beiden Dreizehner (die Summe der beiden äußeren und der beiden inneren Ziffern) überzeugten meine Kameraden, dass ich sterben würde, mich munterten sie auf."