Ein Stück klassische Reportage aus dem Brasilien der fünfziger Jahre als deutsche Neuerscheinung anno 2013 zu lesen, ist ein merkwürdiges Erlebnis. Erzählt wird darin von einem Engländer namens Percy Fawcett, der auf der Suche nach einer Art Eldorado im Regenurwald verscholl, und von der Suche nach ihm und seinen Begleitern.

Die Nachforschung führt unter anderem auch den Autor Antonio Callado in den Regenurwald und zur Begegnung mit den Ureinwohnern, möglicherweise den Mördern des Engländers. Am interessantesten ist hiebei, einen fortschrittlichen Brasilianer sich vor 60 Jahren durch ein Thema arbeiten zu sehen, das heute von den Sprachregelungen der politisch korrekten Weltbetrachtung abgezäunt ist wie - man ist versucht zu sagen - wie das Löwengehege in Schönbrunn. Die Lektüre des "Toten im See" bietet eine faszinierende Übung in Sichtweisen auf die Welt.

Antonio Callado: Der Tote im See. Reportage. Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Peter Kultzen. Berenberg Verlag, Berlin 2013, 120 Seiten, 20,- Euro.