Nach seinem Plädoyer für Europa hat Anton Pelinka ein weiteres geschrieben; diesmal für die USA. Der renommierte österreichische Politologe erklärt in "Wir sind alle Amerikaner", wie die USA seit ihrer Gründung stets das Vorbild für Demokratie und Freiheit waren. Dass sie das für Pelinka noch heute sind, lässt schon der Untertitel "Der abgesagte Niedergang der USA" vermuten.

Von der Supermacht nach dem Zweiten Weltkrieg zur Hypermacht nach dem Zusammenbruch des Ostblocks aufgestiegen, ist über die Weltmacht USA in neuerer Zeit schon mehr als ein Nachruf verfasst worden. Dass sie aber nach wie vor in fast allen Belangen das Maß aller Dinge sind, legt Pelinka minutiös, wenn auch hie und da an der Grenze zum Krampfhaften dar. Fazit: Die USA beherrschen nicht die Welt. Aber die Welt ist amerikanischer geworden. Beobachtbar ist das gerade bei neuen Global Player: Europa, Indien, China, Brasilien. Das Buch findet auch Platz für Kritik an den USA. Es durchleuchtet kritisch den nach wie vor latenten Rassismus in den USA, ebenso wie das Versäumnis, ein Schulsystem zu etablieren, das auch an der Basis für angemessene Ausbildung sorgt.

Übersichtlich, leicht lesbar und zu keinem Zeitpunkt langweilig ist das Buch ein echter Pageturner. Wer die USA mag, kann darin teils durch historische Analysen, teils durch Illustrationen aus den persönlichen Erfahrungen des Autors sehen, wie sich die USA und ihre Bedeutung für die Welt entwickelt haben. Wer hingegen dem Antiamerikanismus verfallen ist, sollte das Buch unbedingt lesen, und sei es nur, um seine Einstellung einem Härtetest zu unterziehen.

Anton Pelinka: Wir sind alle Amerikaner. Braumüller, 189 Seiten, 22,90 Euro.