Im Jahr 2012 sind die Anforderungen des globalen Schlachtfeldes zu groß geworden für die Kapazitäten der amerikanischen Geheimarmee CIA. Die CIA und andere Geheimdienste vergeben einige ihrer wichtigsten Aufträge an private Unternehmen. Diese werden für Spionagemissionen, für die Nachrichtenanalyse und als Hilfspersonal für die Einsätze von US-Kampfdrohnen engagiert: Sie sitzen in Kontrollstationen in Nevada oder bestücken die Drohnen auf geheimen Stützpunkten in Afghanistan und Pakistan mit Bomben und Raketen. Seit die Kriege der USA nicht mehr mit Panzerschlachten geführt werden, hat sich eine Art Heimindustrie entwickelt, die zu einem unverzichtbaren Teil eines neuen militärisch-geheimdienstlichen Komplexes wurde. Seit 9/11 haben die USA das Schießen privatisiert.

Eine unbemannte US-Predator-Drohne über dem südlichen Afghanistan. - © Foto: ap
Eine unbemannte US-Predator-Drohne über dem südlichen Afghanistan. - © Foto: ap

Der US-Journalist und Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti schildert in seinem packend geschriebenen Buch den vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 ausgerufenen weltweiten "Krieg gegen den Terror", der es ermöglichte, dass die CIA die "Genehmigung zum Töten" erhielt.

CIA wurde Tötungsmaschine


Die Central Intelligence Agency ist heute kein traditioneller Geheimdienst mehr, der anderen Staaten ihre Geheimnisse stiehlt, sie ist zu einer Tötungsmaschine geworden, eine Organisation, die sich vollends der Menschenjagd verschrieben hat, stellt der Autor fest. Während die CIA immer mehr Aufgaben übernahm, die traditionell dem Militär zugeordnet werden und bei denen sich Spione in Soldaten verwandeln, passierte beim US-Militär das Gegenteil: Es wurde in die Grauzonen der US-Außenpolitik hineingezogen und führt heute mit Kommandoeinheiten Spionageeinsätze durch, denen Washington vor 9/11 nicht einmal im Traum zugestimmt hätte.

In einem auf dem ganzen Erdball geführten Schattenkrieg verfolgen die USA ihre Feinde mit Killerdrohnen und Spezialeinsatzkräften. Sie bezahlen Privatunternehmen, damit diese geheime Spionagenetzwerke aufbauen, und sie stützen sich auf autoritäre Staaten wie auf unzuverlässige ausländische Geheimdienste. Der Krieg hat sich auf mehrere Kontinente ausgedehnt - von den Bergen Pakistans bis zum Jemen und Nordafrikas, von dem von Stammeskriegen zerrissenen Somalia bis zum undurchdringlichen Dschungel der Philippinen.

Die Grundlagen für das "Killing Business" wurden vom republikanischen US-Präsidenten George W. Bush gelegt und vom demokratischen Präsidenten Barack Obama übernommen. Obama lernte das Vermächtnis schnell zu schätzen, weil es eine Alternative bot zu den kostspieligen Kriegen.

Skalpell statt Hammer


Statt mit dem "Hammer" zuzuschlagen, setzen die USA jetzt das "Skalpell" an. Doch dies schafft genauso schnell neue Feinde, wie sie die früheren vernichtet. Der geheime Schattenkrieg unter Führung der CIA hat auch Erfolg gebracht - am Ende sogar die Tötung des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden und seiner treuesten Anhänger. Aber diese Taktik hat auch die Schwelle der Gewaltanwendung gesenkt und dazu geführt, dass die USA heute leichter als jemals zuvor in den fernsten Weltregionen Tötungsoperationen durchführen können.

Das spektakuläre Buch handelt von diesem "Experiment" und seinen unabwägbaren Folgen. Mazzetti durchleuchtet diesen geheimen Schattenkrieg - angeführt von der CIA - auch aus der Perspektive ihrer Akteure: des Air Force-Piloten, der von der Nevada-Wüste aus Drohnen navigiert; oder des Pentagon-Beamten, der eine geheime Luftwaffe in Afghanistan und Pakistan steuert. Obwohl Obama am 23. Mai 2013 in einer Ansprache erklärte, dass dieser "Krieg gegen den Terror" ein Ende finden müsse, gab es bislang noch keine grundlegende Revision der geheimen Kriegführung. "Killing Business" geht also weiter.