(cb) Sie gibt ja zu, dass es ein Luxusproblem ist. Nunu Kallers hatte ein "Problem", dass nicht wenige in unserer Schnell-und-viel-Konsumgesellschaft haben: Sie hatte einen Berg Kleidung und nichts anzuziehen. Deswegen hat Kaller beschlossen, ein Jahr keine neue Kleidung zu kaufen.

Als ob das für eine Stammkundin des "Textilschweden" (wie sie ihr Lieblingsgeschäft nur mäßig verklausuliert nennt) nicht schon schwer genug wäre, hat sie sich noch andere Aufgaben auferlegt: So wollte sie sich informieren, unter welchen Bedingungen ihre Billigmode hergestellt wird - immerhin arbeitet sie bei der Umweltorganisation Global 2000 und hat sich bisher nie Gedanken darüber gemacht. Und sie wollte selbst Kleidungsstücke herstellen. Über Erfolg und Misserfolg dieser Vorhaben führte Kaller einen Blog, der nun als Buch erschienen ist.

Nur sieben Mal


Die Form des persönlich gehaltenen Blogs mag erklären, warum der Erfahrungsbericht mitunter geschwätzig geraten ist. Daneben gelingt es Kaller aber doch, vor allem für Menschen mit Erstkontakt mit der Materie, unterhaltsam, wenn auch plakativ ernste Hintergründe zu thematisieren. Etwa, dass an manchen Flüssen in China die Modefarben der kommenden Saison zu erkennen sind. Die Schlüsse, die Kaller zieht - mehr Wert auf Qualität und auf fair hergestellte Kleidung - sind nicht die originellsten. Aber dass man ein T-Shirt durchschnittlich nur sieben Mal trägt, bevor man es links liegen lässt, und ähnliche kleine Spitzen könnten Turbokonsumenten vielleicht den nächsten Shoppingrausch etwas vermiesen.

Erfahrungsbericht
Nunu Kaller: Ich kauf nix! Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde
. KiWi, 272 S., 9,30 Euro.