Helen Fielding war schockiert. Als die Autorin von "Bridget Jones" die Fernsehnachrichten sah und gleich nach den Meldungen über den Bürgerkrieg in Syrien ein Beitrag darüber kam, dass Mark Darcy gestorben ist. Mark Darcy ist kein echter Mensch. Er ist der Freund von Bridget Jones. Und Helen Fielding hat die beiden erfunden. Dass in ihrem neuen Roman "Verrückt nach ihm" Mark Darcy also tot ist, das führte zu einer Woge des Entsetzens in Großbritannien - und überall sonst, wo man "Bridget Jones" nicht zuletzt aus der Verfilmung mit Renee Zellweger und Colin Firth kennt. Dass Helen Fielding von diesem massiven öffentlichen Interesse aber so überrascht worden sein soll, das kann man wohl getrost für eine Legende halten. Es kann ihr kaum neu gewesen sein, dass sie mit Bridget Jones eine Identifikationsfigur für eine ganze Generation geschaffen hat.

Allerdings hat sie diese Identifikationsfigur schon vor fast 20 Jahren geschaffen - das ist auch schon wieder eine Generation. 1995 startete ihre Kolumne über das Tagebuch der chaotischen Mittdreißigerin, die Wein aus der Flasche trinkt, ein hartnäckiges Wampenproblem hat, generell mit Dessous-Ästhetik nicht viel anfängt und die Sache mit den Männern alles andere als entspannt - oder erfolgreich - angeht. Das Buch zur Kolumne erschien 1999, verfilmt wurde es 2001.

Buch und Film waren Millionenseller. Mit Bridget Jones war ein neues Frauenbild in die Populärkultur getaumelt. Im Unterhaltungssegment waren Frauen entweder bis Mitte 20 Jahre alt, dann waren sie für romantische Verwicklungen zu gebrauchen. Oder sie waren über 40, dann waren sie Mütter von 20-Jährigen mit romantischen Verwicklungen. Eine britische Kritikerin meinte, Helen Fielding habe Alleinstehende in den Dreißigern vom Miss-Havisham-Makel erlöst. Miss Havisham ist die hexenhafte alte Jungfer aus Dickens’ "Große Erwartungen".

Erst revolutionär, dann rosa

"Bridget Jones’ Diary" war also, obwohl es parodistische Züge (im Hinblick auf "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen) hat, auch sehr realistisch. Und somit ein bisschen revolutionär. Und dabei noch ziemlich lustig. Das mochten Frauen. Sie mochten es so sehr, dass sie auch den ganzen Kram, der im Gefolge als sogenannte "Chick-Lit", also Belletristik für Frauen, unter rosa Covers erschienen ist, gekauft und gelesen haben. Dieser Boom ist aber vorbei. Umso schwieriger für Fielding, mit einem neuen Roman über ihre berühmte Heldin zu reüssieren. In "Verrückt nach ihm" ist Bridget Jones 51 Jahre alt und hat zwei Kinder. Sie war zwar verheiratet mit Mark Darcy, dieser Seele von einem Mann. Er ist aber tot. Bedeutet: Bridget muss wieder auf Männersuche gehen.