(Wei) Der Widerstand gegen die verbrecherische NS-Diktatur wird auch heute noch vorwiegend mit dem fehlgeschlagenen Hitler-Attentat des Obersten Claus Schenk Graf Stauffenberg und seiner Mitverschwörer assoziiert, das sich heuer am 20. Juli zum 70. Mal jährt. Es ist bis ins kleinste Detail von der Geschichtsforschung aufgearbeitet und hat sich, wenn auch etwas spät, in das kollektive Gedächtnis der Deutschen und hoffentlich auch vieler Österreicher eingegraben. Über die Widerstandsgruppen, die es vor und nach diesem spektakulären Ereignis gegeben hat, ist die Öffentlichkeit weniger gut informiert.

Die Opposition gegen das NS-Regime war vielgestaltig und vielseitig motiviert. Es reichte vom persönlichen Einsatz eines Einzelnen, der den Verfolgten und Geächteten Hilfe angedeihen ließ, bis zu den ideologischen Gruppierungen, die den Sturz des nationalsozialistischen Unrechtsstaates bewerkstelligen wollten. Diese politischen, religiösen und militärischen Gruppen fanden sich wegen ihrer unterschiedlichen Weltanschauungen und ihren Zielvorstellungen nie zu einer einheitlichen Front zusammen. Wollten die einen die Wiederherstellung der Monarchie, so schwebte den anderen die Errichtung einer demokratischen Gesellschaftsordnung vor.

Der Autor bietet seine kurzgefasste Geschichte des deutschen Widerstandes in klarer Übersicht, mit großer sachkundlicher Kenntnis auf hohem, aber gut verständlichem Sprachniveau dar. Der österreichische Widerstand kommt nicht zur Sprache. Gleichwohl ist das Büchlein auch dem zeitgeschichtlich interessierten alpenländischen Leserpublikum durchaus zur Lektüre zu empfehlen.

Sachbuch

Der deutsche Widerstand gegen Hitler

Wolfgang Benz

C.H. Beck, 127 Seiten, 9,20 Euro