(WT) "Salafistische Ideologie führt nicht zwingend zum gewalttätigen Dschihad. Sie lässt diesen Weg aber durchaus zu." Zu diesem Schluss kommt der deutsche Fachjournalist und Kenner der Materie Ulrich Krätzer. Es handelt sich hier um eine tiefgehende Betrachtung des Problemkreises. Warum, fragt er, geißeln einige Salafisten Gewalt und Terror als schlimmste Sünde überhaupt - während andere den bewaffneten "Heiligen Krieg" als "vergessene Pflicht" verherrlichen?

Der Salafismus als besonders strenge Auslegung des sunnitischen Islams ist vor allem von der saudi-arabischen wahhabitischen Koranauslegung geprägt. Der Autor zeigt die Bandbreite zwischen moderaten Salafisten, die Religion als Privatsache betrachten - und Scharfmachern, die vom "Lieben und Hassen für Allah" predigen.

Allein in Deutschland gehören rund 5500 Menschen den Salafisten an. Krätzer bietet gute Einblicke in die teils gewaltbereite Szene und erläutert das Gefahrenpotenzial für den demokratischen Verfassungsstaat. Es ist ihm mit seinem Buch auch ein Anliegen, vom Zerrbild der "bösen bärtigen Männer mit Häkelkäppi" wegzukommen. Wenn der Staat im Kampf gegen Gewalt und Terror einen differenzierteren Umgang mit der salafistischen Bewegung entwickle, dann könnte sich die Herausforderung des Salafismus schneller erledigen, als es den Vertretern der vermeintlich "einzig wahren Religion" lieb sein kann. Ein "reflektierter" Religionsunterricht könne muslimische Kinder und Jugendliche aufklären, um sie gegen solche menschenfeindliche Strömungen zu immunisieren.

Sachbuch

Salafisten - Bedrohung für Deutschland?

Ulrich Krätzer

Gütersloher Verlagshaus,

288 Seiten, 20,60 Euro