Ist die Zahl bügelnder Männer in den vergangenen Jahren wieder zurückgegangen? - © VEM/Westend61/corbis
Ist die Zahl bügelnder Männer in den vergangenen Jahren wieder zurückgegangen? - © VEM/Westend61/corbis

In den vergangenen zehn Jahren ist die Entwicklung der Gleichstellung von Mann und Frau nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern hat sogar den Rückwärtsgang eingelegt. Der Pastoraltheologe Paul Zulehner und die Sozialethikerin Petra Steinmair-Pösel legen mit einem neuen Buch eine umfassende Analyse der Entwicklung vor und versuchen auch Auswege aus der Sackgasse zu zeigen, in der sich "die erschöpfte Familie von heute" befindet.

Die Entwicklung der Gleichstellung verlief in den letzten Jahrzehnten überaus uneinheitlich, wie sich am Anteil der "Modernen" ablesen lässt. Diese werden von den Autoren als jene definiert, die Frauenemanzipation wertschätzen, die Bedeutung der Berufstätigkeit für die Unabhängigkeit der Frau hervorheben, für den gemeinsam verantworteten Beitrag zum Haushaltseinkommen eintreten und von der Annahme ausgehen, dass eine berufstätige Hausfrau ihrem Kind genau so viel Sicherheit und Wärme geben kann wie eine, die nicht arbeitet. Zwischen 1992 und 2002 ist der Anteil der "Modernen" von 20 auf 32 Prozent gestiegen, in den darauffolgenden zehn Jahren bis 2012 fiel ihr Anteil jedoch auf 17 Prozent zurück.

Sozialpolitik sollte entlasten


Hinzugewonnen haben in diesem Zeitraum hingegen die "Pragmatischen", welche die Lebensfelder Familie und Beruf zusammenhalten wollen, und die "Traditionellen". Diese konzentrieren sich auf die getrennten Lebensfelder: die Frauen auf die unbezahlte Versorgungsarbeit in der Familie und die Männer auf einen Beruf mit bezahlter Erwerbstätigkeit.

Die Ursachen der jüngsten Entwicklung bringt Zulehner treffend auf den Punkt: Die "Modernen" seien draufgekommen, "dass die Verbindung von Erwerbsleben und familiärer Lebenswelt mit Kindern und Alten sehr anstrengend ist. Wenn das Kind geboren ist, wäre es für viele Befragte ideal, wenn einer der Partner die Berufstätigkeit unterbrechen könnte. Aber sie ergänzen sofort: Das geht finanziell leider nicht. Dort beginnt jetzt die Auseinandersetzung der Studie mit der Sozialpolitik: Wie können Männer und Frauen derart entlastet werden, dass sie selbst entscheiden können zu unterbrechen, ohne dass die Familie finanziell bankrottgeht?"

Die Autoren nennen vor allem hochwertige Kinderbetreuung mit kleinen Gruppen und bestens qualifizierten Betreuungspersonen sowie praktikable Öffnungszeiten der entsprechenden Einrichtungen als Voraussetzung zur Entlastung der Eltern. Damit das praktikabel und leistbar ist, müsste es ein entsprechend hohes "Elterngehalt" geben und eine Anrechnung der Kinder-Betreuungszeit für die Pensionsberechnung. Das würde Väter und Mütter entlasten, die für die Kinderbetreuung auf Beruf und Karriere ganz oder teilweise verzichten möchten. Ebenso müsste die Gesellschaft toleranter mit jenen Frauen umgehen, die Beruf und Familie verbinden möchten und heute noch oft als "Rabenmütter" disqualifiziert werden.

Herausforderung Altenpflege


Aber auch jene, die für die Kindererziehung ganz oder teilweise auf Erwerbsarbeit verzichten, dürften nicht länger als vorgestrige "Heimchen am Herd" abgewertet werden, oder die kinderbetreuenden Männer als unattraktive "Softies". Entscheidend für die notwendige bessere Wertschätzung wäre eben eine grundlegende Haltungsänderung.

Derer bedarf es neben der Kinderbetreuung auch, um einer anderen wachsenden Herausforderung zu begegnen: Paul Zulehner nennt hier die Pflege alter Menschen, die vom Staat immer noch überwiegend den Familien überlassen werde. Auch hier sei die Sozialpolitik gefordert. Wenn hier nicht bald bessere Lösungen gefunden werden, droht laut Zulehner die Gefahr, dass der heute noch von allen Parteien getragene Konsens der Euthanasieablehnung brüchig wird und man sich "von der Hospizidee verabschiedet".