(WT) Das Urheberrecht, insbesondere für Kunstschaffende, war zweifellos eine emanzipatorische Errungenschaft. Es war dazu gedacht, die Unabhängigkeit und Freiheit des einzelnen Kreativen abzusichern. Im Internetzeitalter verstärkt es aber zumeist die Abhängigkeit der Kunstschaffenden von tradierten Verwertungsstrukturen, statt ihre Autonomie zu sichern. Was ist überhaupt eine "angemessene Vergütung" für Künstler? Geht es dabei um den bloßen Tauschwert? Um eine soziale Absicherung? Oder um einen "Wert der Kreativität", der in irgendeiner Weise jenseits von marktwirtschaftlichen Erwägungen bestimmt werden müsste?

Der deutsche Journalist Ilja Braun versucht in die unübersichtliche Debatte Ordnung zu bringen. Dabei zeigt er dem Leser die wichtigsten Lösungsansätze in der anhaltenden Debatte zwischen geistigem Eigentum und freiem Wissen.

Iljas zeitgemäße Antwort auf das Versagen des Urheberrechts im Internet ist die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Dabei gehe es nicht um eine Sozialabspeisung prekärer Existenzen. Und erst recht nicht darum, Angehörigen des ohnehin schon stark subventionierten Kulturbetriebs weitere Privilegien zu sichern. Es gehe vielmehr um die Anerkennung der Kreativität als herausragender Produktivfaktor in einer zunehmend auf immaterielle Wertschöpfung ausgerichteten Wirtschaft und Gesellschaft. Also um "general intellect".

In postindustriellen Gesellschaften stelle die Schaffung eines bedingungslosen Grundeinkommens kaum eine vornehmere Aufgabe dar, schließt der Autor.

Sachbuch

Grundeinkommen statt Urheberrecht? Zum kreativen Schaffen in der digitalen Welt.

Ilja Braun

Transcript, 187 Seiten, 22,70 Euro