Der unvermeidliche Jünger

Aber diese eine Perle ist teuer erkauft, wenn man auf der anderen Seite sieht, welchen Aufschwung das Werk Ernst Jüngers im Gefolge der Weltkriegs-Euphorie nimmt. Jünger da, Jünger dort. "In Stahlgewittern", diese eiskalte Bestandsaufnahme des Männlichkeitsfanals Krieg, nicht einmal sonderlich gut geschrieben, bringt der sonst durchaus zu lobende Klett-Cotta-Verlag in gleich drei Ausgaben heraus. Bei E.S. Mittler & Sohn gibt‘s dann noch das von Nils Fabiansson verfasste "Begleitbuch". Ja, wo Krieg ist, und sei es nur auf dem Papier, ist der Jünger groß da.

Verstörender ist da schon, dass sogar ein Verlag wie Manesse eine große Anthologie herausgibt, abgeschlossene Erzählungen und Ausschnitte aus Romanen durcheinandergewürfelt wie die Körperteile nach dem Stahlgewitter. Und immer gilt: Je dicker das Buch, desto teurer - und damit desto besser. Für den Verlag.

Aber was boomt, sind, dessen ungeachtet, die Geschichtswerke. Da darf dann natürlich Guido Knopp nicht fehlen: "Der Erste Weltkrieg - Die Bilanz in Bildern" heißt sein Werk. "Bilanz in Bildern" - bisschen lockerflockig angesichts ein paar Millionen Toter, aber wenigstens gibt‘s das E-Book dazu, dass man sich die Fotos von den Verstümmelten auch in der Straßenbahn noch zwischen zwei Stationen anschauen kann.

Doch das Buch, auf das alle gewartet haben (wieso ist eigentlich Knopp, der höhnende Experte für den Zweiten Weltkrieg, nicht auf die Idee gekommen?), stammt von Henrik Eberle: "Hitlers Weltkriege". Gratulation! Erster Weltkrieg und Hitler - das ist perfekt! Das ist sozusagen - Fisch schmeckt gut, Erdbeermarmelade schmeckt gut, wie gut schmeckt erst Fisch mit Erdbeermarmelade! - der Volltreffer.

Dass jetzt ein Restaurant "Fisch an Erdbeermarmelade zu gefüllten Heuschreckenbeinen" serviert, gilt es freilich zu vermeiden. Solche Rezepte sind nur ein Geschäft bei Verlagen. Kochbücher würden auf dieser Basis eher nicht verkauft.