"Mein Motiv ist, die Gesellschaft darüber zu informieren, was in ihrem Namen geschieht - und gegen sie gerichtet ist", so der US-Whistleblower Edward Snowden in seinem ersten Interview nach seiner Flucht über Hongkong nach Russland, wo er im August 2013 politisches Asyl erhielt.

Der US-Journalist Glenn Greenwald wurde zuvor exklusiv von Snowden mit kopierten, geheimen Dokumenten der National Security Agency (NSA) beliefert. Sie sind zentraler Angelpunkt dieses bahnbrechenden Buches. Eindrücklich werden die globalen Überwachungspraktiken des US-Geheimdienstes NSA, in enger Kooperation mit dem britischen Geheimdienst GCHQ, dem australischen DSD, dem kanadischen CSE sowie den neuseeländischen Partnern (den sogenannten "five eyes") sichtbar.

Dabei handelt es sich um ein immer perfektionierteres Ausspähungs- und Kontrollsystem. Es reicht von der Infiltration sämtlicher elektronischer Informationsnetze, der Überwachung internationaler Organisationen und politischer Eliten in den jeweiligen Ländern, offensiven Cyber-Operationen bis hin zum "Manhunting", wie Greenwald schreibt.

USA-Vorwürfe "scheinheilig"

Auch gezielte Wirtschaftsspionage gehört zum Standardrepertoire der westlichen Dienste, auch wenn diese dies vehement bestreiten. Die regelmäßigen Vorwürfe der USA gegenüber China, in massivem Ausmaß Wirtschaftsspionage zu betreiben, seien vor dem Hintergrund der Dokumente Snowdens mehr als "scheinheilig", so Greenwald.

Laut Greenwald waren die im Zuge von 9/11 lancierten totalitären Überwachungsprogramme "eindeutig illegal". Zudem hatten die US-Geheimdienste vor dem Hintergrund von 9/11 über genügend Informationen verfügt, um derartige massive Anschläge letztlich bereits im Keim zu ersticken, schreibt Greenwald. Doch es war die große Datenmenge, die die US-Behörden schließlich aufgrund der Unfähigkeit, das gesamte gesammelte Material auszuwerten, "blind" machten, die drohende Katastrophe zu verhindern. Als Reaktion darauf war und ist seither eine wahre "Datensammelwut" unter dem Motto "Wir sammeln alles" ausgebrochen - im fälschlichen Glauben, damit weitgehende innere und äußere Sicherheit speziell für die USA zu gewährleisten. "Das mache ungefähr so viel Sinn, als würde jemand, bei dem Lungenkrebs diagnostiziert wird, anfangen, jetzt noch mehr zu rauchen", argumentiert Greenwald.

Bei aller Fokussierung auf westliche Geheimdienste dürfen die "Augen und Ohren" des "tiefen Staates" insbesondere durch Russland und China nicht vernachlässigt werden, wenn es um eine massive Bedrohung der persönlichen Freiheiten im Internet geht. Speziell bei der Terrorabwehr arbeitet die NSA auch mit Österreich als "ständigem Partner" eng zusammen - und zwar nicht nur "gelegentlich", sondern "ständig", betont Greenwald.

Privatsphäre zurückerobern

Die Alternative zur massenhaften Überwachung bis in die tiefste Privatsphäre hinein ist nicht die Abschaffung jeglicher Beobachtung, meint Greenwald, sondern eben eine gezielte Kontrolle von Personen, bei denen hinreichende Anhaltspunkte vorliegen, dass sie tatsächlich in terroristische Straftaten verwickelt sind. Die internationalen Bemühungen - angeführt von Deutschland und Brasilien - für die Etablierung einer neuen Internet-Infrastruktur, die den Zugriff der Amerikaner auf das globale Netz einschränken soll, sind ein Schritt in die richtige Richtung, um die Privatsphäre im Netz zurückzuerobern und der staatlichen Überwachung einigermaßen Grenzen zu setzen. Es seien letztlich immer die Menschen in ihrer Gesamtheit, die darüber entscheiden können, in welcher Welt wir leben wollen, schließt der Autor hellsichtig.

Wir befinden uns am Scheideweg des globalen Netzes zwischen autoritärem Kontrollorgan und einem Instrument zur Etablierung demokratischer Freiheiten. Äußerst lesenswert.