In Italien ein Star der Literaturszene, hierzulande einer unter vielen: Stefano Benni. In seinem jüngst in deutscher Übersetzung erschienenen Roman "Von allen Reichtümern" erweist er sich einmal mehr als großer Erzähler und Humanist. Benni ist ein Mit-Fühlender, der durch das eigene Leben und gehörte Geschichten um die Freuden und Leiden der Menschen Bescheid weiß und diese ebenso aufwühlend und lebensnah beschreiben kann wie ein gelungener neorealistischer Film.

Martin, Literaturprofessor und Dichter, lebt zurückgezogen und hat es sich in seinem Haus am Waldrand wohlig eingerichtet. Er schreibt an einem neuen Buch, pflegt seinen alternden Hund und wartet auf E-Mails seines Sohnes, der als Musiker in Amerika lebt. Das Gleichgewicht seines beschaulichen Lebens wird empfindlich gestört, als im Haus gegenüber ein junges Paar einzieht.

Die beiden Stadtflüchtlinge - er Maler und Galerist, sie Tänzerin und Schauspielerin - lassen in ihm seine Jahre als junger Künstler wieder erstehen, die Zeit ungestümer Schwärmerei und unbändiger Sehnsucht. Die Bekanntschaft mit der Frau weckt schmerzvolle Erinnerungen an die große Liebe seines Lebens: Vor Jahrzehnten hatte er seine Gefährtin schmählich in Stich gelassen, ein dunkles Kapitel in seiner Lebensbilanz.

Stefano Benni schildert diese Gefühle eindrücklich, mit leichtem, niemals aufdringlichem Pathos und tiefem Humanismus. Der Roman wird nicht durch eine aufregende Handlung vorangetrieben, sondern von Charakteren, Begegnungen, Erinnerungen. Als Leser leidet, fiebert und freut man sich mit und ist beeindruckt von Bennis Menschenkenntnis.