Gedichte? Die meisten denken da an harmlose Kindergartenreime oder hehre Lyrikbände, die irgendwo in Buchhandlungen verstauben. Lyrik aber kann eine aufregende Sache sein, ein Er-lesen von Sprache, ein Ent-decken von verborgenen Sinnebenen in Texten einer Länge von nur wenigen Zeilen. Wer also lieber zu einem spannenden Roman anstatt einer Lyrikanthologie greift, der sollte in Kerstin Hensels wunderbares Handbuch "Das verspielte Papier" schauen.

Ganz wie der Untertitel verspricht, vermittelt das Buch einen kenntnisreichen Überblick "Über starke, schwache und vollkommen misslungene Gedichte". Ohne falsche Ehrfurcht, aber ebenso ohne erhobenen Zeigefinger manövriert die Berliner Schriftstellerin und langjährige Lyrikdozentin ihre Leser durch die vielfältige Welt lyrischer Formen. Anschaulich kann Hensel erläutern, warum manche Gedichte gut und viele Gedichte schlecht sind, wie man mit schwierigen Poemen umgeht und warum auch einfache Gedichte einen literarischen Wert haben.

Kerstin Hensel: Das verspielte Papier. Über starke, schwache und vollkommen misslungene Gedichte. Luchterhand Literaturverlag, München 2014, 240 Seiten, 15,50 Euro.