Statt die Filmrezension zu schreiben, die er ein paar Tage später abgeben muss, und statt sich mit der Baugruppe im heimischen Berlin herumzuschlagen, fliegt der Erzähler in Thomas Weiss’ Roman "Flüchtige Bekannte" nach Djerba, um nach der Frau eines Bekannten zu suchen. Maren war ein Jahr zuvor über Nacht aus ihrem alten Leben verschwunden. Am Abend hatte sie ihrem Mann gesagt, sie müsse noch kurz ins Büro; seitdem hat er nichts von ihr gehört, obwohl es Hinweise aus Palermo, Paris, Polen und dann aus Tunesien gab.

Wo steckt diese Frau, warum verschwand sie so plötzlich, und warum verheimlicht der Journalist Joachim seiner eigenen Frau, wohin er fliegt? Alternierend lässt Thomas Weiss Maren vom Traum eines Neuanfangs erzählen. In einem unbeschwert-leichten Ton, sprachlich und strukturell wenig raffiniert, inhaltlich wenig überraschend. Vielschichtiger sind Joachims Fantasien von einem aufregenderen Leben. Insgesamt fehlt es diesem Roman jedoch an Relevanz.

Thomas Weiss: Flüchtige Bekannte. Roman. Berlin Verlag, Berlin 2014, 190 Seiten, 17,50 Euro.